Kreuzpeilung

Definition

Die Kreuzpeilung ist ein Verfahren der terrestrischen Ortsbestimmung, bei dem du mindestens zwei feste Landmarken peilst und die daraus gewonnenen Standlinien in der Seekarte zum Schnitt bringst. Der Schnittpunkt ist dein Schiffsort.

Kreuzpeilung einfach erklärt

Eine einzelne Peilung sagt dir nur, in welcher Richtung ein Objekt liegt. Du weißt danach, dass du irgendwo auf einer Linie stehst – dieser Linie sagt man Standlinie. Wo genau, bleibt offen. Erst eine zweite Standlinie legt dich fest, denn zwei Geraden schneiden sich in genau einem Punkt. Daher der Name: Die Peilungen kreuzen sich.

Sie ist damit das erste von drei Verfahren der terrestrischen Ortsbestimmung. Die anderen beiden kombinieren eine Peilung mit einer zweiten Information: Peilung und Abstand, etwa über ein Feuer in der Kimm oder einen Radarabstand, sowie Peilung und Lotung. Das Prinzip bleibt dasselbe – zwei Standlinien ergeben einen Ort.

So begegnet dir die Kreuzpeilung an Bord

Du segelst vor einer Küste mit zwei eindeutigen Marken: einem Leuchtturm an Backbord voraus und einer Kirchturmspitze an Steuerbord querab.

  1. Objekte in der Karte eindeutig identifizieren – Verwechslung ist der teuerste Fehler des ganzen Verfahrens.
  2. Beide kurz nacheinander mit dem Handpeilkompass peilen – zuerst das Objekt, dessen Peilung sich langsamer ändert, also eher voraus.
  3. Uhrzeit und Log notieren, damit der Ort später zuzuordnen ist.
  4. Die Peilwerte auf rechtweisend beschicken: Ablenkung für den anliegenden Magnetkompasskurs aus der Ablenkungstafel entnehmen, danach die für das laufende Jahr aus der Seekarte entnommene Missweisung anbringen.
  5. Beide rechtweisenden Peilungen als Standlinien vom jeweiligen Objekt aus in die Karte legen. Der Schnittpunkt ist dein Schiffsort.

Ein Rechenbeispiel für Schritt vier: Du peilst den Leuchtturm mit 040 Grad Magnetkompasspeilung. Die Ablenkungstafel weist für deinen anliegenden Kurs minus 3 Grad aus, daraus wird eine missweisende Peilung von 037 Grad. Die Seekarte gibt für das laufende Jahr eine Missweisung von plus 2 Grad an – die rechtweisende Peilung beträgt also 039 Grad. Nur dieser Wert gehört in die Karte.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Die Kreuzpeilung gehört zu den Möglichkeiten der terrestrischen Ortsbestimmung, neben Peilung mit Abstand und Peilung mit Lotung.
  • Der Winkel zwischen zwei Peilungen soll nicht kleiner als 30 Grad und nicht größer als 150 Grad sein, damit der gefundene Standort eine ausreichend sichere Positionsbestimmung ergibt.
  • In die Karte kommen ausschließlich rechtweisende Peilungen – Ablenkung und Missweisung müssen vorher angebracht sein.
  • Eine dritte Peilung ist die Kontrolle: Sie zeigt dir über das Fehlerdreieck, wie zuverlässig dein Ort ist.
  • Der so bestimmte Ort ist ein beobachteter Ort und schlägt den Koppelort.

Typische Fehler

  • Zu spitze oder zu stumpfe Schnittwinkel: Schon ein Grad Peilfehler verschiebt den Ort erheblich.
  • Missweisende Werte in die Karte übertragen – der Ort wandert dann um den Betrag der Missweisung.
  • Zu langsam peilen: Das Schiff läuft zwischen den Peilungen weiter, die Standlinien gehören dann zu verschiedenen Orten.
  • Ein Objekt falsch identifizieren – das Ergebnis sieht sauber aus und ist trotzdem komplett falsch.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
VersegelungspeilungNutzt dasselbe Objekt zweimal nacheinander und verrechnet den Weg dazwischen – braucht nur eine Marke.
DoppelpeilungSonderfall der Versegelungspeilung mit festen Peilwinkeln, aus denen der Abstand direkt folgt.
SeitenpeilungPeilung relativ zur Schiffslängsachse statt zur Nordrichtung.
KoppelortAus Kurs, Fahrt und Zeit gerechnet statt beobachtet.

Kurz gemerkt

Zwei Standlinien geben einen Ort, drei geben Gewissheit. Schnittwinkel zwischen 30 und 150 Grad, immer rechtweisend eintragen, und erst das voraus liegende Objekt peilen, dann das querab.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Fehlerdreieck?

Peilst du drei Objekte, schneiden sich die Standlinien selten in einem Punkt, sondern bilden ein kleines Dreieck. Je größer es ausfällt, desto unsicherer ist dein Ort – ein großes Dreieck deutet auf einen Peilfehler, eine falsch identifizierte Marke oder zu viel Zeit zwischen den Peilungen hin.

Was tue ich, wenn nur eine Marke in Sicht ist?

Dann kombinierst du die Peilung mit einer zweiten Information: mit einem Abstand, etwa über ein Feuer in der Kimm oder einen Radarabstand, oder mit einer Lotung. Eine Lotung liefert allerdings nur dann eine brauchbare Standlinie, wenn der Meeresgrund ausreichend regelmäßig und ausreichend steil ansteigt oder abfällt.

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