SKS Schein Glossar
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Doppelpeilung

Doppelpeilung ist die zweimalige Peilung desselben Seezeichens mit Zeitabstand. Sie ermöglicht in der terrestrischen Navigation die Standortbestimmung unter Fahrt. Man sagt auch, die erste Standlinie wird versegelt und nennt sie versegelte Standlinie. Die Doppelpeilung ist ein Spezialfall der Versegelungspeilung.

Grundprinzip der Doppelpeilung

Bei der Doppelpeilung wird ein markantes Objekt (z. B. Leuchtturm, Kirchturm, Tonne, Landmarke) zu zwei Zeitpunkten angepeilt. Aus der ersten Peilung entsteht eine Standlinie, die mithilfe der in der Zwischenzeit zurückgelegten Strecke in die zweite Zeit „vorgetragen“ wird; der Schnittpunkt mit der zweiten Standlinie ist der Standort zum zweiten Zeitpunkt.

Voraussetzungen an Bord

Geeignete Peilobjekte

Das Peilobjekt sollte eindeutig, dauerhaft sichtbar und kartiert sein. Sehr nahe Objekte können große Winkeländerungen liefern, aber auch zu schnellen Peiländerungen und Ablesefehlern führen; sehr weit entfernte Objekte liefern oft flach schneidende Standlinien und damit ungenauere Schnitte.

Benötigte Daten und Hilfsmittel

  • Peilkompass oder Peilscheibe, alternativ Kompasspeilung über Schiffskompass
  • Seekarte, Kursdreieck/Lineal, Zirkel
  • Zeit (UTC/Schiffszeit) und Log/Fahrtangabe
  • Korrekturen für Missweisung und Deviation zur Umrechnung auf rechtweisende Peilung

Durchführung Schritt für Schritt

1. Erste Peilung (t1)

Zum Zeitpunkt t1 wird die Peilung auf das Objekt genommen und als Kompasspeilung notiert. Anschließend wird auf rechtweisende Peilung umgerechnet und als Standlinie durch das Objekt in die Karte eingetragen.

2. Strecke zwischen t1 und t2 koppeln

Zwischen t1 und t2 wird die zurückgelegte Strecke aus Kurs und Fahrt bestimmt (Koppeln). Strömung und Windversatz sollten, soweit bekannt, berücksichtigt werden, damit die Versetzung der Standlinie realistisch wird.

3. Erste Standlinie vortragen

Die Standlinie von t1 wird um die gekuppelte Strecke in Richtung des gesteuerten Kurses (bzw. des Kurses über Grund, falls bekannt) parallel versetzt. Diese vorgetragene Linie stellt die mögliche Position zum Zeitpunkt t2 dar, basierend auf der ersten Peilung und der Fahrt dazwischen.

4. Zweite Peilung (t2) und Standort

Zum Zeitpunkt t2 wird das gleiche Objekt erneut gepeilt, wieder auf rechtweisend korrigiert und als zweite Standlinie eingetragen. Der Schnittpunkt der zweiten Standlinie mit der vorgetragenen Standlinie ist der Standort zum Zeitpunkt t2 (Running Fix).

Genauigkeit und typische Fehlerquellen

Peilfehler und Ablesefehler

  • Unsauberes Anlegen/Ablesen, besonders bei Seegang und Rollbewegungen
  • Verwechslung ähnlicher Objekte oder falsche Objektidentifikation in der Karte
  • Fehler bei Deviation/Missweisung oder Vorzeichenfehler bei der Umrechnung

Koppelfehler

  • Falsche Fahrt (Fahrt durchs Wasser statt über Grund oder umgekehrt)
  • Nicht berücksichtigte Strömung, Kursänderungen oder Leeway
  • Zu großer Zeitabstand: Koppelfehler wächst, auch wenn der Schnittwinkel besser wird

Ungünstige Geometrie

Für einen brauchbaren Schnitt sollte sich die Peilung zwischen t1 und t2 merklich ändern. Sehr kleine Winkeländerungen führen zu nahezu parallelen Standlinien und damit zu großem Ortsfehler; extrem spitze Schnittwinkel sind ebenfalls ungünstig. In der Praxis wird oft ein Zeitabstand gewählt, der eine deutliche, aber nicht übertrieben große Peiländerung ergibt.

Beispiel (vereinfacht)

Eine Yacht peilt einen Leuchtturm um 12:00 Uhr rechtweisend. Um 12:12 Uhr wird derselbe Leuchtturm erneut rechtweisend gepeilt. Aus Kurs und Fahrt wird die Strecke der 12 Minuten bestimmt und die Standlinie von 12:00 Uhr entsprechend parallel versetzt; der Schnitt mit der Standlinie von 12:12 Uhr liefert den Standort um 12:12 Uhr.

Abgrenzung: Doppelpeilung vs. Kreuzpeilung

Kreuzpeilung

Bei der Kreuzpeilung werden zwei (oder mehr) verschiedene Objekte nahezu gleichzeitig gepeilt; der Schnitt der Standlinien ergibt den Standort zum Peilzeitpunkt.

Doppelpeilung

Die Doppelpeilung nutzt ein einzelnes Objekt zu zwei Zeitpunkten und erfordert daher zusätzlich das Koppeln der zwischenzeitlichen Strecke. Sie ist besonders hilfreich, wenn nur ein geeignetes Objekt zur Verfügung steht oder die Sicht eingeschränkt ist.

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