Magnetkompasskurs ist die am Magnetkompass abgelesene Steuerkursrichtung bezogen auf Magnetnord. Er führt das Schiff nach Kompass in Navigation und Manövern.
Definition und Bezugsrichtung
Der Magnetkompass zeigt die Richtung zum magnetischen Nordpol an. Der Magnetkompasskurs ist damit ein Steuerkurs relativ zu Magnetnord und entspricht dem Kurs, der an der Kompassrose an der Steuerstrichmarke abgelesen wird.
Wichtig: Der abgelesene Kurs ist bereits durch die Ablenkung beeinflusst, also durch magnetische Störfelder an Bord wie Motor, Lautsprecher, Stahlteile oder elektrische Leitungen. Deshalb ist der Magnetkompasskurs nicht automatisch identisch mit dem missweisenden Kurs.
Abgrenzung zu anderen Kursbegriffen
Rechtweisender Kurs
Der rechtweisende Kurs bezieht sich auf geografisch Nord und ist der Kurs, der in der Seekarte und in der terrestrischen Navigation verwendet wird. Kurslinien, Wegpunkte und Peilstrahlen werden rechtweisend eingetragen und ausgewertet.
Missweisender Kurs oder Magnetkurs
Der missweisende Kurs ist der Kurs bezogen auf Magnetnord, aber ohne den Einfluss der Ablenkung an Bord. Er entsteht aus dem rechtweisenden Kurs durch Berücksichtigung der Missweisung.
Steuerkurs und Kurs über Grund
Der Magnetkompasskurs ist ein Steuerkurs durch das Wasser. Strom und Windversatz können dazu führen, dass der Kurs über Grund deutlich abweicht. Für die Navigation ist daher die Umrechnung auf rechtweisende Werte und die Betrachtung von Versatz entscheidend.
Umrechnung zwischen rechtweisendem Kurs und Magnetkompasskurs
Für die Arbeit mit Seekarte, Kursdreieck und Gezeitenrechnung werden Kompasswerte meist in rechtweisende Werte umgerechnet oder umgekehrt für das Steuern wieder in den Magnetkompasskurs zurückgeführt.
Missweisung und Ablenkung
Missweisung (Mw) ist der Winkel zwischen geografisch Nord und Magnetnord und steht in der Seekarte mit Jahr und jährlicher Änderung. Ablenkung (Abl) ist die kompassindividuelle Abweichung durch Bordmagnetismus und wird der Deviationstabelle oder dem Deviationsdiagramm entnommen.
Rechenregel
Vom rechtweisenden Kurs zum Magnetkompasskurs werden Missweisung und Ablenkung mit der Merkhilfe Ost ab, West zu angewendet. In der Gegenrichtung vom Magnetkompasskurs zum rechtweisenden Kurs gilt entsprechend Ost zu, West ab.
Kurzform in Gleichungen: Kk = Krw korrigiert um Mw und Abl nach Ost ab, West zu. Krw = Kk korrigiert um Abl und Mw nach Ost zu, West ab. Ergebnisse werden auf 000° bis 359° normiert.
Beispiel
Gegeben: rechtweisender Kurs Krw = 120°, Missweisung Mw = 3°E, Ablenkung Abl = 2°W. Rechnung nach Ost ab, West zu: 120° – 3° + 2° = 119°. Der zu steuernde Magnetkompasskurs Kk ist 119°.
Praktische Anwendung an Bord
Kurs steuern
Beim Steuern nach Magnetkompasskurs wird die Yacht auf den vorgegebenen Kompasswert gebracht und dort gehalten. Dabei ist auf eine stabile Ablesung an der Steuerstrichmarke zu achten und auf Störquellen in Kompassnähe, etwa Handfunkgeräte, Ferngläser mit Magnetverschluss oder Werkzeuge.
Kontrolle durch Peilungen
In der terrestrischen Navigation werden Peilungen häufig als Kompasspeilung gemessen und anschließend mit Ablenkung und Missweisung in rechtweisende Peilungen umgerechnet, um sie in die Karte einzutragen. Die Logik entspricht der Kursumrechnung und ist ein typischer Prüfungsinhalt im SKS.
Fehlerquellen und SKS-Prüfungstipps
Häufige Fehler sind vertauschte Vorzeichen bei Ost und West, das Vergessen der Ablenkung oder das Verwenden veralteter Missweisung ohne jährliche Änderung. Prüfungsrelevant sind außerdem saubere Gradangaben, das richtige Normieren bei Über- oder Unterschreiten von 360° sowie das sichere Unterscheiden zwischen Magnetkompasskurs, Magnetkurs und rechtweisendem Kurs.