Magnetkompass

Ein Magnetkompass zeigt die missweisende Nordrichtung mit einer frei drehenden Magnetnadel. Er steuert Kurse und bleibt Reserve bei Elektronikausfall.

Aufbau und Anzeige

Der Magnetkompass besteht aus einer magnetisierten Nadel oder Magneten, die mit der Kompassrose verbunden sind und sich im Erdmagnetfeld ausrichten. Die Rose läuft in einem mit Flüssigkeit gefüllten Kessel (Dämpfung gegen Schwingungen) und ist meist kardanisch aufgehängt, damit sie bei Krängung möglichst waagerecht bleibt.

Abgelesen wird der Kurs an der festen Steuermarke, auch Kursstrich oder Lubber Line genannt. Je nach Einbau gibt es den Steuerkompass am Steuerstand sowie Hand- oder Peilkompasse für Peilungen.

Missweisung und Deviation

Missweisung

Missweisung ist der Winkel zwischen geografisch Nord (Karten-Nord) und magnetisch Nord an einem Ort. Sie ist in der Seekarte angegeben und ändert sich räumlich sowie zeitlich (jährliche Änderung).

Deviation

Deviation ist die durch Magnetismus und Eisenmassen an Bord verursachte Ablenkung des Kompasses. Sie hängt vom gesteuerten Kurs ab und wird daher kursabhängig in einer Deviationstabelle oder Deviationkurve festgehalten.

Der Kompassfehler ist die Summe aus Missweisung und Deviation und beschreibt die gesamte Abweichung zwischen Kompassanzeige und rechtweisender Richtung.

Kompasskurse und Kursumrechnung

In der Navigation wird zwischen Kompasskurs (KpK), magnetischem Kurs (MgK) und rechtweisendem Kurs (rwK) unterschieden. Der Magnetkompass liefert direkt den KpK; für Kartenarbeit wird meist der rwK benötigt.

Mit der in Ausbildung und Praxis gängigen Vorzeichenregel Ost positiv, West negativ gilt: MgK = KpK + Dev und rwK = MgK + Mw. Merksatz: Ost wird addiert, West subtrahiert.

Beispiel: KpK 100°, Dev 2° Ost, Mw 4° West. Dann MgK = 100° + 2° = 102° und rwK = 102° − 4° = 98°.

Aufstellung an Bord und Kompensation

Ein Magnetkompass muss möglichst weit entfernt von Störquellen montiert werden, etwa Lautsprechermagneten, Werkzeugen, Funkgeräten, Stahlteilen, großen Stromkabeln oder magnetischen Verschlüssen. Auch tragbare Geräte wie Handys oder Taschenlampen mit Magnet können den Kurs sichtbar verfälschen.

Viele Steuerkompasse sind kompensierbar: Mit Stellmagneten und Weicheisenelementen wird die Deviation reduziert. Nach Umbauten, neuer Elektrik, Einbau von Geräten oder nach einem Blitzschlag sollte die Deviation kontrolliert und die Tabelle aktualisiert werden.

Praktische Nutzung auf Segelyachten

Der Magnetkompass ist das Basisinstrument zum Steuern eines Kurses, besonders bei schlechter Sicht oder nachts, wenn Landmarken fehlen. In Kombination mit Log und Uhrzeit ermöglicht er Koppelnavigation, wenn GPS ausfällt oder bewusst nicht genutzt werden soll.

Für navigatorische Kontrolle werden Kompasspeilungen eingesetzt, zum Beispiel auf Tonnen, Leuchtfeuer oder markante Punkte an Land. Zwei oder drei Peilungen liefern eine Standlinie oder einen Schnittpunkt; dabei ist die korrekte Umrechnung auf rechtweisende Werte entscheidend.

Fehlerquellen und Pflege

Typische Probleme sind Luftblasen oder Flüssigkeitsverlust im Kompasskessel, schwergängige Kardanaufhängung, träge Rose bei Kälte oder falsche Beleuchtung, die das Ablesen erschwert. Ein kurzer Plausibilitätscheck gegen bekannten Kurs über Grund oder gegen Peilungen hilft, grobe Fehler früh zu erkennen.

Der Kompass sollte sauber, spannungsfrei montiert und vor Schlägen geschützt sein. In der Nähe gelagerte Magnetgegenstände sollten vermieden werden, damit die Deviation nicht unbemerkt zunimmt.

SKS-Prüfungswissen kompakt

  • Magnetkompass zeigt magnetisch Nord und damit den Kompasskurs.
  • Missweisung steht in der Karte und kann eine jährliche Änderung haben.
  • Deviation ist kursabhängig und wird per Tabelle berücksichtigt.
  • Umrechnung: MgK = KpK + Dev, rwK = MgK + Mw; Ost addieren, West subtrahieren.
  • Der Magnetkompass bleibt als unabhängige Navigations- und Sicherheitsreserve wichtig.

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