Definition
Kollisionsgefahr besteht, wenn sich zwei Fahrzeuge einander so nähern, dass ein Zusammenstoß möglich wird. Sicher erkennbar ist sie daran, dass die Kompasspeilung zum anderen Fahrzeug steht und der Abstand dabei abnimmt.
Kollisionsgefahr einfach erklärt
Das Prinzip ist Geometrie, keine Erfahrungssache. Zwei Fahrzeuge auf gleichbleibenden Kursen laufen auf einen gemeinsamen Punkt zu, wenn sich der Winkel zwischen ihnen nicht ändert. Genau das misst du mit der Peilung: Bleibt sie über mehrere Beobachtungen gleich und kommt das andere Fahrzeug näher, trefft ihr euch. Wandert sie deutlich nach vorn oder achtern, passiert ihr einander.
Voraussetzung dafür ist, dass du überhaupt hinsiehst. Die Kollisionsverhütungsregeln verlangen, jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere verfügbare Mittel gehörigen Ausguck zu halten – und zwar so, dass ein vollständiger Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes entsteht. Dazu gehört die sichere Geschwindigkeit: Das Fahrzeug muss jederzeit innerhalb einer solchen Entfernung zum Stehen gebracht werden können, dass ein Zusammenstoß vermieden wird.
So begegnet dir Kollisionsgefahr an Bord
Ein Frachter kommt von Steuerbord auf. So arbeitest du die Lage ab:
- Mehrfach peilen, mit dem Kompass und in gleichmäßigen Abständen. Eigenen Kurs dabei halten, sonst ist die Reihe wertlos.
- Steht die Peilung und nimmt der Abstand ab, besteht Kollisionsgefahr.
- Klären, wer ausweichpflichtig ist – über die Ausweichregeln und die erkennbare Lichterführung oder Signalgebung.
- Bist du ausweichpflichtig, manövriere möglichst frühzeitig und durchgreifend, damit der andere deine Absicht rasch erkennt.
- Nach dem Manöver den Erfolg laufend überprüfen, bis das andere Fahrzeug klar passiert ist.
Als Kurshalter musst du zunächst Kurs und Geschwindigkeit beibehalten – nur so kann der andere seine Lösung planen. Du darfst aber manövrieren, sobald erkennbar wird, dass er nicht regelgerecht handelt: das Manöver des vorletzten Augenblicks. Vorher lohnen der Funkversuch und das Schallsignal aus mindestens fünf kurzen, rasch aufeinanderfolgenden Tönen, gegebenenfalls ergänzt durch ebenso viele kurze Blitze.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Sicher erkennbar ist die Gefahr eines Zusammenstoßes an der stehenden Kompasspeilung bei abnehmendem Abstand.
- Ausguck ist jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere verfügbare Mittel zu halten.
- Ausweichmanöver werden möglichst frühzeitig und durchgreifend gefahren, damit die Absicht rasch erkennbar ist.
- Nach dem Manöver ist der Erfolg laufend zu überprüfen, bis das andere Fahrzeug klar passiert ist.
- Bei Auslegung und Befolgung der KVR sind alle Gefahren und besonderen Umstände zu berücksichtigen – zum Abwenden unmittelbarer Gefahr kann sogar ein Abweichen von den Regeln erforderlich sein.
Typische Fehler
- Während der Peilreihe den eigenen Kurs ändern – die Beobachtung ist damit unbrauchbar.
- Klein und zögerlich ausweichen: Der andere erkennt die Absicht nicht und rechnet weiter mit deinem alten Kurs.
- Nach dem Manöver wegschauen, statt den Erfolg bis zum klaren Passieren zu überprüfen.
- Als Kurshalter auf dem Recht beharren, bis nichts mehr geht – das Manöver des vorletzten Augenblicks ist ausdrücklich erlaubt.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Ausweichpflicht | Folgt aus der Kollisionsgefahr, ist aber nicht dasselbe – erst die Lage, dann die Pflicht. |
| Stehende Peilung | Das Erkennungsmerkmal, nicht die Gefahr selbst. |
| Manöver des letzten Augenblicks | Notmanöver, wenn eine Kollision anders nicht mehr zu vermeiden ist. |
| Manöver des vorletzten Augenblicks | Recht des Kurshalters, früher einzugreifen, wenn der Ausweichpflichtige untätig bleibt. |
Kurz gemerkt
Peilung steht, Abstand schrumpft – das ist Kollisionsgefahr. Früh und deutlich handeln, dann den Erfolg kontrollieren, bis der andere klar passiert ist. Und Wegerecht schützt vor Blechschaden nicht.
Häufige Fragen
Wie viele Peilungen brauche ich für eine sichere Aussage?
Eine einzelne sagt nichts – erst die Reihe zeigt, ob sich der Wert ändert. Nimm mehrere Peilungen in gleichmäßigen Abständen und halte dabei Kurs und Fahrt. Auf große Entfernung wandert die Peilung langsamer, dort brauchst du längere Beobachtungszeiträume.
Darf ich von den KVR abweichen?
Bei Auslegung und Befolgung sind alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie alle besonderen Umstände zu berücksichtigen. Zum Abwenden unmittelbarer Gefahr kann ein Abweichen von den Regeln erforderlich sein. Das ist kein Freibrief, sondern die Ausnahme für den Ernstfall.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Wie ist die Gefahr eines Zusammenstoßes sicher erkennbar?
- Die KVR regeln u.a. das Verhalten der Schiffsführungen bei Kollisionsgefahr. Was ist bei der Auslegung und Befolgung der KVR zu berücksichtigen?
- Was bestimmen die KVR über das Ausguckhalten?
- Was ist unter „sicherer Geschwindigkeit“ zu verstehen?
- Wie müssen Sie Ausweichmanöver durchführen?
- Wie müssen Sie sich verhalten, nachdem Sie ein vorgeschriebenes Ausweichmanöver durchgeführt haben?
- Ein anderes Fahrzeug muss Ihnen ausweichen. Welche Verpflichtung nach KVR haben Sie?
- Sie segeln in der Nordsee bei guter Sicht. Ihnen kommt in stehender Peilung ein Maschinenfahrzeug entgegen, das keine Anstalten macht, seiner Ausweichpflicht nachzukommen.