Definition
Ein Schallsignal ist eine festgelegte Folge kurzer und langer Töne, mit der ein Fahrzeug auf See seine Absicht, seinen Zustand oder eine Gefahr anzeigt. Ein kurzer Ton dauert etwa eine Sekunde, ein langer vier bis sechs Sekunden.
Schallsignal einfach erklärt
Auf See kannst du dich nicht auf Blickkontakt verlassen: Nachts, im Nebel oder hinter einer Regenwand sieht dich niemand, und über Distanz hilft kein Zuruf. Dafür gibt es das Schallsignal – ein weltweit einheitliches Vokabular aus Tönen. Weil es meist mit der Pfeife gegeben wird, hörst du auch die Bezeichnung Pfeifensignal; im Binnenbereich heißt es Schallzeichen.
Die Signale lassen sich in drei Gruppen einteilen: Manöversignale sagen, was du gerade tust. Signale bei verminderter Sicht sagen, wer du bist, solange man dich nicht sieht. Warnsignale sagen, dass etwas nicht stimmt. Ein Fahrzeug unter zwölf Metern Länge muss keine Pfeife führen, wohl aber ein anderes wirksames Schallsignalgerät.
So begegnet dir das Schallsignal an Bord
Angenommen, du segelst bei guter Sicht in der Nordsee. Ein Maschinenfahrzeug kommt dir in stehender Peilung entgegen und weicht nicht aus, obwohl es ausweichpflichtig ist. Der Ablauf:
- Über Funk versuchen, das andere Fahrzeug auf seine Ausweichpflicht hinzuweisen.
- Mindestens fünf kurze, rasch aufeinanderfolgende Töne geben – das Zweifelssignal. Zwingend vorgeschrieben.
- Bei Dunkelheit zusätzlich mindestens fünf kurze Lichtblitze setzen.
- Das Manöver des vorletzten Augenblicks fahren, solange Raum ist.
- Wenn nichts hilft: das Manöver des letzten Augenblicks – ebenfalls zwingend vorgeschrieben.
Zieht Nebel auf, wechselt das Vokabular. Hörst du voraus lang-kurz-kurz, gefolgt von lang-kurz-kurz-kurz, weißt du sofort: ein Schleppverband in Fahrt, erst das schleppende Fahrzeug, dann der Anhang.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Ein kurzer Ton bedeutet Kursänderung nach Steuerbord, zwei kurze Töne nach Backbord, drei kurze Töne heißen, dass du rückwärts schlägst.
- Mindestens fünf kurze, rasch aufeinanderfolgende Töne sind das Zweifelssignal – wenn du an den Absichten des anderen zweifelst oder Gefahr siehst.
- Bei verminderter Sicht ist lang-kurz-kurz die Tonfolge für Fahrzeuge, die nicht einfach ausweichen können: Segler, manövrierbehinderte und manövrierunfähige Fahrzeuge, Schleppverbände, Fischer.
- Auf Seeschifffahrtsstraßen gilt zusätzlich das Allgemeine Gefahr- und Warnsignal: ein langer Ton und vier kurze Töne, zweimal hintereinander.
- Ein fortwährendes kurz-lang von einem Fahrzeug mit rotem Rundumlicht ist das Bleibweg-Signal: Abstand halten, keine elektrischen Schalter, kein offenes Feuer.
Typische Fehler
- Das Signal als Aufforderung verstehen. Ein Manöversignal beschreibt, was du selbst tust – es fordert niemanden zu etwas auf.
- Nur hupen und sonst nichts. Das Signal ersetzt kein Ausweichmanöver; wer ausweichpflichtig bleibt, muss trotzdem handeln.
- Nach dem Hören einfach weiterfahren. Hörst du bei verminderter Sicht vorlicher als querab ein Schallsignal, musst du die Fahrt auf das für die Steuerfähigkeit geringstmögliche Maß verringern – notfalls ganz stoppen.
- Kein funktionsfähiges Signalgerät an Bord. Eine leere Druckluftflasche fällt erst im Nebel auf – dann fehlt dir jede Möglichkeit, dich bemerkbar zu machen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Lichtsignal | Dieselbe Aussage mit Blitzen statt Tönen – ergänzt das Schallsignal, ersetzt es nicht. |
| Notsignal | Zeigt Seenot an und ruft um Hilfe, während ein Schallsignal Absicht, Zustand oder Gefahr mitteilt. |
| Schallzeichen | Der Begriff aus dem Binnenschifffahrtsrecht, mit teils eigenen Tonfolgen. |
Kurz gemerkt
Kurze Töne beschreiben ein Manöver, fünf kurze Töne sind der Zweifel, lang-kurz-kurz im Nebel heißt: Hier fährt jemand, der nicht einfach ausweichen kann. Diese drei Muster tragen die meisten Prüfungsfragen.
Häufige Fragen
Muss ich als Segler überhaupt Schallsignale geben?
Ja. Die Signalpflichten gelten für jedes Fahrzeug, unabhängig von Größe und Antriebsart. Bei verminderter Sicht gibt ein Segelfahrzeug in Fahrt lang-kurz-kurz; das Zweifelssignal ist auch unter Segeln vorgeschrieben.
Was mache ich, wenn ich manövrierunfähig treibe und ein großes Fahrzeug ansteuert?
Mit jedem verfügbaren Mittel bemerkbar machen: UKW-Sprechfunk, das Schallsignal lang-kurz-kurz, eine starke Handlampe, ein weißes Rundumlicht, ein pyrotechnisches Signal. Und die Verkehrszentrale informieren, falls eine zuständig ist.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Eine Motoryacht, Länge 8 m, treibt nachts manövrierunfähig in der Nordsee und sieht ein großes Fahrzeug direkt auf sich zukommen. Welche Maßnahmen hat die Motoryacht zu ergreifen?
- Wie müssen sich Fahrzeuge ohne Radar bei verminderter Sicht verhalten, wenn sie voraus das Schallsignal eines anderen Fahrzeuges hören?
- Man hört bei Nebel folgendes Schallsignal mit der Pfeife (lang-kurz-kurz), unmittelbar gefolgt von (lang-kurz-kurz-kurz) etwa jede Minute. Worum handelt es sich dabei?
- Sie sehen ein Fahrzeug mit folgender (untenstehender) Lichterführung: Worum handelt es sich? Welches Schallsignal müsste dieses Fahrzeug bei unsichtigem Wetter geben?
- Wann ist von einem Fahrzeug auf einer Seeschifffahrtsstraße das Allgemeine Gefahr- und Warnsignal zu geben und wie lautet es?