Segel-Lexikon: nautische Fachbegriffe von A bis Z

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Mensch über Bord (MOB)

Definition

Mensch über Bord, kurz MOB, bezeichnet den Notfall, bei dem eine Person vom Fahrzeug ins Wasser gerät, sowie den Ruf und die Maßnahmenkette, mit der die Crew darauf reagiert – von der Alarmierung über das Manöver bis zur Bergung an Deck.

Mensch über Bord einfach erklärt

Der Notfall zerfällt in vier Aufgaben, die nacheinander gelöst werden müssen: Sichtkontakt herstellen und halten, an die Person heranmanövrieren, eine erste Leinenverbindung schaffen, die Person an Bord nehmen. Scheitert eine dieser Stufen, nützen die anderen nichts – deshalb wird jede einzeln geübt.

Der schwierigste Teil ist meist nicht das Manöver, sondern das Wiederfinden. Ein Kopf im Seegang verschwindet schon auf kurze Distanz. Deshalb steht der Ausguck ganz oben in der Liste: eine Person, die nichts anderes tut, als die über Bord gegangene Person im Auge zu behalten und mit ausgestrecktem Arm auf sie zu zeigen.

So begegnet dir MOB an Bord

Diese Sofortmaßnahmen laufen unmittelbar nach dem Sturz ab:

  1. Ruf: „Mensch über Bord!“ – die ganze Crew muss es wissen.
  2. Rettungsmittel zuwerfen.
  3. Ausguck halten, die Person im Auge behalten.
  4. Maschine starten.
  5. Mensch-über-Bord-Manöver fahren.
  6. Gegebenenfalls Notmeldung abgeben, Markierungsblitzboje werfen, MOB-Taste des satellitengestützten Navigationsgeräts drücken.
  7. Bergung durchführen.

Die MOB-Taste speichert die Position zum Zeitpunkt des Tastendrucks und zeigt dir rechtweisende Peilung und Distanz zu diesem Punkt an. Zusammen mit der Markierungsblitzboje sichert sie den Bezugspunkt für die Suche, international Datum genannt. Beides ersetzt den Ausguck nicht – der gespeicherte Punkt markiert die Stelle des Tastendrucks, nicht die driftende Person.

Für das Anbordnehmen brauchst du ein Hilfsmittel, weil eine durchnässte, womöglich unterkühlte Person nicht selbst hochklettert. In Frage kommen eine bewegliche und gesicherte Badeleiter, die Großschot, eine beschwerte Trittschlinge, eine Rettungstalje, das Unterfangen mit einem kleinen Segel, ein Bergegurt oder das Dingi. Welches davon bei dir funktioniert, solltest du vorher wissen und nicht im Ernstfall herausfinden.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Die grundsätzlichen Schritte: Maschine starten, Suche und Sichtkontakt, Manöver mit Annäherung und erster Leinenverbindung, Bergung, Erste Hilfe und Betreuung, gegebenenfalls Notmeldung.
  • Den Bezugspunkt sicherst du mit Markierungsblitzboje und MOB-Taste eines satellitengestützten Navigationsgeräts.
  • Die MOB-Taste speichert die Position und zeigt rechtweisende Peilung und Distanz dorthin an.
  • Vorbeugend: Sicherheitsgurte anlegen und einpicken, Streck- oder Laufleinen vom Bug zum Heck, Einpickpunkte zeigen.
  • Das Verhalten bei MOB gehört zur Sicherheitseinweisung der Besatzung vor Reisebeginn.

Typische Fehler

  • Keinen festen Ausguck bestimmen – alle helfen mit, niemand schaut, und der Sichtkontakt reißt ab.
  • Sich auf die MOB-Position verlassen: Sie markiert den Ort des Tastendrucks, während die Person weitertreibt.
  • Das Anbordnehmen nicht vorbereitet haben – bis dahin läuft alles gut, und dann fehlt das Hilfsmittel.
  • Das Manöver nie geübt haben – ein Boje-über-Bord-Manöver ist die beste Versicherung an Bord.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
Boje-über-Bord-ManöverDie Übungsform mit einer Boje statt einer Person.
Q-WendeEin konkretes Rückkehrmanöver, nicht der Notfall selbst.
MOB-TasteDie Funktion am Navigationsgerät, die den Bezugspunkt speichert.
SeenotÜbergeordnete Lage; MOB kann eine Notmeldung auslösen, muss es aber nicht zwingend.

Kurz gemerkt

Rufen, werfen, schauen, Maschine, Manöver, bergen. Der Ausguck ist wichtiger als jede Taste – wer den Sichtkontakt verliert, sucht danach eine Nadel im Heuhaufen. Und das Anbordnehmen entscheidet, ob die Rettung gelingt.

Häufige Fragen

Welches Rückkehrmanöver ist das richtige?

Das hängt von Wind, Seegang, Besegelung und Crewstärke ab – deshalb gibt es mehrere. Verbreitet sind unter anderem die Q-Wende und der Nahezu-Aufschießer. Entscheidend ist nicht, welches du wählst, sondern dass deine Crew genau dieses eine beherrscht.

Wie beuge ich einem Sturz über Bord vor?

Sicherheitsgurte anlegen und einpicken, Streck- oder Laufleinen vom Bug zum Heck anbringen und der Crew die Befestigungspunkte für die Karabinerhaken zeigen. Das ist Teil der Sicherheitseinweisung – und wirkt zuverlässiger als jedes Bergemanöver.

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