Segel-Lexikon: nautische Fachbegriffe von A bis Z

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Boje-über-Bord-Manöver

Das Boje-über-Bord-Manöver ist ein Rettungsmanöver, mit dem geübt wird, wie eine über Bord gegangene Person im Notfall wieder an Bord genommen werden kann. Es gehört zu den Standardmanövern in Sicherheit und Praxis der SKS-Ausbildung. Damit es bei Übungen nicht zur Verwechslung mit einem echten Notfall kommt, wird beim Üben niemals „Person über Bord“ oder „Mann über Bord“ gerufen. Dieser Ausruf ist echten Notfällen vorbehalten – fällt er versehentlich in der SKS-Prüfung, kann das sogar zum Abbruch des Manövers führen.

Begriff und Abgrenzung

Beim Boje-über-Bord-Manöver wird eine schwimmfähige Boje (oft mit Treibanker oder Leine) über Bord gegeben und anschließend wieder aufgenommen. Die Boje simuliert eine Person im Wasser, ohne das Risiko eines echten Mann-über-Bord Notfalls (MOB) einzugehen.

Im Gegensatz zum echten MOB liegt der Schwerpunkt auf dem Leiten der Crew, sauberer Kurs- und Geschwindigkeitskontrolle, dem ständigen Sichtkontakt zum Ziel sowie einer kontrollierten Annäherung zum Aufnehmen mit Bootshaken.

Ziele des Manövers

Das Manöver prüft und trainiert die sichere Beherrschung des Schiffes unter Segel und/oder Motor, besonders bei wechselndem Wind, Seegang und Crewbelastung. Außerdem werden klare Kommandos, Aufgabenverteilung und das Einhalten von Sicherheitsabläufen geübt.

  • Sichtkontakt sichern und Zielmarke nicht aus den Augen verlieren (Crew einteilen)
  • Rettungsmittel werfen (Crew einteilen)
  • MOB Taste auf dem Kartenplotter drücken, ggf Notruf der Funk absetzen (Crew einteilen)
  • Sinnvolles Manöver fahren damit die Boje auf der Leeseite sicher aufgenommen werden kann. Wird ein Aufschießer gefahren, ist es beliebig ob an Backbord oder Steuerbord. Bei einer Yacht mit zwei Steuerständen, sollte die Seite gewählt werden, die besser einzusehen ist.
  • Yacht kommt ohne Motorunterstützung neben der Boje zum Stehen
  • Boje mit Bootshaken aufnehmen

Anforderungen Boje-über-Bord-Manöver für die SKS Prüfung

Das Manöver ist DAS Standardmanöver und wird beim SBF See und beim SKS geprüft. Beim SKS sind die Anforderungen deutlich höher und komplexer. Für den uneingeschränkten SKS werden zwei Varianten geprüft.
Für den SKS unter Antriebsmaschine entfällt das Manöver unter Segel.

SKS Mit Antriebsmaschine und unter Segel

Pflichtaufgaben

  • Rettungsmanöver unter Segel
  • Rettungsmanöver mit Maschinenunterstützung

Beide Manöver (unter Segel und mit Maschinenunterstützung) müssen gefahren und mindestens im zweiten Versuch mit ausreichendem Ergebnis ausgeführt werden. Sie dürfen nicht zu einem Manöver zusammengefasst werden.

Grundregeln an Bord

Sofortmaßnahmen

Nach dem Ruf „Boje über Bord“ wird eine Person als Ausguck fest eingeteilt, die ausschließlich die Boje zeigt und den Abstand meldet. Dann werden Rettungsmittel ausgebracht, die MOB Taste am Plotter gedrückt um die GPS Position zu speichern. Außerdem wird ein Notruf per Funk abgesetzt.
Parallel wird das Manöver gefahren um die Boje wieder aufzunehmen.

Ablauf unter Segel: gängige Varianten

Es stehen mehrere Variante zur Verfügung um ein Boje-über-Bord Manöver zu fahren. Der Prüfling kann selbst entscheiden welches er fährt. Es macht Sinn gemeinsam mit der Crew das Manöver häufig zu Üben damit die Abläufe trainiert sind.

Quick-Stop (nahe am Punkt bleiben)

Beim Quick-Stop wird unmittelbar nach dem Über-Bord-Gehen eine Wende eingeleitet, sodass das Boot auf dem neuen Bug wieder in Richtung Boje fährt. Die Fock bleibt back stehen (Cross Tack). Ziel ist, in kurzer Distanz zum Ereignisort zu bleiben und die Boje auf Leeseite aufzunehmen. Dieser Manöver eignet sich besonders wenn das Schiff auf einem Am-Wind Kurs fährt.

Anderson-/Reach-Turn (aus dem Halbwind)

Aus dem Halbwindkurs wird abgefallen, um auf Raum- bis Vorwindkurs zu beschleunigen, anschließend wird gewendet/gekantet und auf einem Amwindkurs zur Boje zurückgefahren. Diese Variante ist anschaulich, benötigt jedoch mehr Raum und verlangt saubere Kurswinkel, damit der Anfahrtsweg am Ende nicht zu schnell wird.

Q-Wende und Aufschießer (klassische SKS-Übungsform)

Die Q-Wende kombiniert Abfallen und Wende zu einer Q-förmigen Bahn. Sie eignet sich gut, um mit überschaubarem Raum wieder in die Nähe der Boje zu kommen und den letzten Teil auf einem kontrollierbaren Kurs (Halbwind) zu fahren, bevor zum Aufnehmen ein Aufschießer gefahren wird damit das Boot neben der Boje zum Stillstand kommt.

Ablauf unter Motor

Unter Motor wird zunächst der Kurs so angepasst, dass ein klarer Rückkehrweg zur Boje entsteht, ohne sie aus dem Blick zu verlieren. Die Annäherung erfolgt mit geringer Fahrt und möglichst gegen Wind und Strom, weil das Boot dann besser steuer- und stopfähig ist; die Boje wird auf Leeseite aufgenommen, Propellernähe wird konsequent vermieden.

Rollenverteilung und Kommandos

Ein gutes Boje-über-Bord-Manöver steht und fällt mit eindeutigen Aufgaben. Typisch sind Rudergänger, Ausguck, Segeltrimmer sowie eine Person für die Aufnahme mit Bootshaken und die Sicherung der Leine, damit nichts in die Schraube geraten kann.

  • Ruf: „Boje über Bord“
  • Ausguck meldet: „Boje in Sicht, Steuerbord/Backbord voraus“
  • Rudergänger kündigt Manöverschritte an: „Wende“, „Fallen“, „Aufschießer“

Typische Fehler und Bewertungskriterien (SKS-relevant)

In der SKS-Ausbildung wird auf eine sichere, nachvollziehbare Manöverabfolge und auf gute Kommunikation geachtet. Häufige Fehler sind ein verlorener Sichtkontakt, zu hohe Geschwindigkeit im Endanflug, ein Anlauf von Luv (Boje wird unters Boot gedrückt) oder unsaubere Segelführung, die das Boot am Stoppen hindert.

Als gelungen gilt das Manöver, wenn die Boje ohne Hektik in kurzer Distanz kontrolliert erreicht, das Schiff rechtzeitig gestoppt und die Boje sicher an Bord genommen wird, ohne Gefährdung durch Ruder oder Propeller.

Merksätze für die Praxis

Sichtkontakt hat Priorität: Ein fest zugeteilter Ausguck ist Pflicht. Der Annährung an die Person wird langsam gefahren, die Aufnahme erfolgt auf Leeseite, und kurz vor dem Ergreifen wird Fahrt konsequent herausgenommen. Beim Annähern muss der Motor ausgekuppelt sein, damit die Schiffsschraube keine Gefahr für die Person im Wasser darstellt.

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