Seenot liegt vor, wenn sich ein Schiff oder Personen auf See in einer unmittelbaren und ernsthaften Gefahr befinden, aus der sie sich aus eigener Kraft nicht mehr sicher befreien können. In der Praxis ist die korrekte Einschätzung einer Seenotsituation entscheidend, da sie unmittelbare Maßnahmen zur Rettung von Menschenleben auslöst.
Wann spricht man von Seenot?
Eine Seenotsituation besteht immer dann, wenn eine konkrete Gefährdung für Leib und Leben vorliegt. Typische Auslöser können sein:
- Schwere Havarie (z. B. Wassereinbruch, Kollision, Feuer an Bord)
- Manövrierunfähigkeit bei starkem Wetter
- Mann-über-Bord mit akuter Lebensgefahr
- Drohen von Strandung oder Kentern
Nicht jede technische Störung ist automatisch Seenot. Entscheidend ist, ob eine unmittelbare Gefahr für Personen besteht.
Abgrenzung zu Dringlichkeit und Sicherheit
Im Seefunk wird zwischen drei Prioritätsstufen unterschieden:
- MAYDAY – Seenot (Gefahr für Menschenleben)
- PAN PAN – Dringlichkeit (ernste Lage, aber keine unmittelbare Lebensgefahr)
- SECURITÉ – Sicherheitsmeldung (wichtige Navigations- oder Wetterwarnung)
Die klare Unterscheidung ist wichtig, da ein MAYDAY-Ruf alle verfügbaren Rettungsmittel aktiviert.
Pflicht zur Hilfeleistung
Nach internationalem Seerecht und nationalen Vorschriften besteht eine Pflicht zur Hilfeleistung für Schiffe, die eine Seenotmeldung empfangen und Hilfe leisten können, ohne sich selbst ernsthaft zu gefährden. Die Rettung von Menschenleben hat oberste Priorität.
Maßnahmen bei Seenot
Bei Eintritt einer Seenotsituation sind folgende Schritte üblich:
- Absetzen eines MAYDAY-Rufs über UKW-Seefunk (Kanal 16) oder DSC
- Aktivieren von Notsignalen (z. B. Seenotrufsender, EPIRB, Pyrotechnik)
- Einleiten von Sofortmaßnahmen an Bord (Leckabwehr, Brandbekämpfung, Rettungsmittel klarmachen)
- Position möglichst genau bestimmen und übermitteln
Bedeutung in der SKS- und SRC-Praxis
Im Rahmen des Sportküstenschifferscheins (SKS) und insbesondere des Funkzeugnisses (SRC) gehört das korrekte Verhalten bei Seenot zu den Kerninhalten. Dazu zählen das strukturierte Absetzen eines MAYDAY-Rufs, das richtige Verhalten bei empfangener Seenotmeldung sowie Kenntnisse über Rettungsketten und Seenotrettungsorganisationen.
Seenot ist kein rein theoretischer Begriff, sondern eine reale Extremsituation. Umsichtige Törnplanung, regelmäßige Sicherheitschecks und gutes Seemannschaftsverhalten dienen dazu, Seenotlagen möglichst zu vermeiden – und im Ernstfall professionell zu handeln.