Definition
Ein Bezugssystem legt fest, auf welches Modell der Erdfigur sich Länge und Breite beziehen. Das in einer Seekarte verwendete Bezugssystem heißt Kartendatum – und es muss nicht dasselbe sein, mit dem dein GPS-Empfänger arbeitet.
Bezugssystem einfach erklärt
Die Erde ist keine Kugel und auch kein glattes Ei. Um Koordinaten überhaupt berechnen zu können, legt man ein Rechenmodell zugrunde, ein sogenanntes Referenzellipsoid. Je nachdem, welches Modell man wählt und wie man es im Raum verankert, wandern dieselben Zahlenwerte für Länge und Breite ein Stück über den Erdboden.
GPS arbeitet mit WGS 84, dem World Geodetic System 1984. Dieses globale Bezugssystem ist zugleich das Referenzellipsoid der Satellitennavigation und erreicht weltweit eine optimale Anpassung an die reale Form des gesamten Erdkörpers. Ältere Seekarten beruhen dagegen oft auf regionalen Systemen, etwa ED 50, dem Europäischen Datum von 1950. Diese wurden für ihren Kontinent optimiert und weichen anderswo stärker ab.
So begegnet dir das Bezugssystem an Bord
Du liest am Plotter eine Position ab und willst sie in die Papierkarte eintragen. Bevor du den Zirkel ansetzt, gehst du diesen Weg:
- Kartendatum nachschlagen: Es steht am Kartenrand unter dem Titel, zusammen mit einem etwaigen Korrekturhinweis.
- Mit der Einstellung im GPS-Empfänger vergleichen. Stimmen beide überein, kannst du die Position direkt eintragen.
- Weichen sie ab, hast du drei Wege: das Kartenbezugssystem im Empfänger einstellen, den GPS-Ort um die in der Karte angegebenen Nord-Süd- und Ost-West-Korrekturen von Hand verschieben, oder gleich Karten verwenden, die auf WGS 84 beruhen.
- Erst danach eintragen – und dazuschreiben, in welchem System die Position steht.
Wie groß ist der Fehler, wenn du es lässt? Die Differenzen von Breite und Länge liegen im Allgemeinen in der Größenordnung von 0,1 bis 1 Kabellänge, also etwa 20 bis 200 Meter. Größere Unterschiede sind möglich. Bei einer Hafeneinfahrt zwischen zwei Molenköpfen oder einer Ansteuerung entlang einer Untiefe entscheidet das über Grund oder kein Grund.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- WGS 84 steht für World Geodetic System 1984 und ist das globale Bezugssystem der Satellitennavigation.
- Das Kartendatum steht am Kartenrand unter dem Titel, dort findest du auch den Korrekturhinweis.
- Der Hinweis nennt, um wie viele Minuten eine WGS-84-Position nordwärts oder südwärts und westwärts oder ostwärts zu verlegen ist, damit sie zur Karte passt.
- Typische Differenzen liegen bei 0,1 bis 1 Kabellänge, also rund 20 bis 200 Meter.
- Vor dem Eintragen eines GPS-Ortes muss das Bezugssystem übereinstimmen – über die Empfängereinstellung, die manuelle Verschiebung oder eine WGS-84-Karte.
Typische Fehler
- Annehmen, eine Position sei eine Position – zwei Systeme liefern für denselben Ort verschiedene Zahlen.
- Die Korrektur in die falsche Richtung anwenden: Der Hinweis beschreibt, wie der GPS-Ort zu verlegen ist, nicht umgekehrt.
- Das Bezugssystem mit Kartennull verwechseln – das eine betrifft die Lage, das andere die Tiefe.
- Auf dem Plotter blind vertrauen: Auch elektronische Karten haben ein Datum, und alte Vermessungsdaten werden durch ein neues Bezugssystem nicht genauer.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Kartendatum | Das konkret in einer Karte verwendete Bezugssystem – Bezugssystem ist der Oberbegriff. |
| WGS 84 | Ein bestimmtes globales Bezugssystem, das von GPS verwendet wird. |
| Kartennull | Bezugsfläche für Tiefenangaben, also senkrecht statt waagerecht. |
| Missweisung | Betrifft die Richtung des Kompasses, nicht die Lage der Koordinaten. |
Kurz gemerkt
Erst das Datum, dann der Zirkel. GPS rechnet in WGS 84, deine Karte vielleicht nicht – und 200 Meter sind in einer Hafeneinfahrt kein Rundungsfehler. Das Kartendatum steht am Kartenrand unter dem Titel.
Häufige Fragen
Was bedeutet ED 50?
ED 50 steht für das Europäische Datum von 1950, ein regionales Bezugssystem, auf dem viele ältere europäische Seekarten beruhen. Es wurde für Europa angepasst und weicht deshalb von WGS 84 ab. Findest du es im Kartenrand, brauchst du den Korrekturhinweis derselben Karte.
Betrifft das auch elektronische Seekarten?
Ja. Auch eine elektronische Karte beruht auf einem Bezugssystem. Moderne Karten nutzen meist WGS 84, sodass Empfänger und Karte zusammenpassen. Sicher weißt du das aber erst, wenn du es geprüft hast – und die zugrunde liegenden Vermessungsdaten können trotzdem alt sein.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Warum muss in der GPS Navigation das jeweilige Kartendatum unbedingt berücksichtigt werden?
- Welche Differenzen können zwischen WGS 84 und anderen Bezugssystemen auftreten?
- Wo finden Sie in der Seekarte Angaben über das benutzte Bezugssystem und ggf. entsprechende Korrekturhinweise?
- Wie lautet ggf. der Korrekturhinweis bezüglich GPS in der Seekarte, wenn das benutzte Kartendatum (z.B. ED 50) und WGS 84 nicht übereinstimmen?
- Was bedeutet WGS 84 und was wird damit erreicht?
- Was ist bei der Eintragung eines GPS-Ortes in eine Seekarte zu beachten?