Kartennull ist die Bezugsebene, auf die sich alle Tiefenangaben in einer Seekarte beziehen. Die auf der Karte eingetragenen Wassertiefen geben an, wie viel Wasser bezogen auf das Kartennull vorhanden ist – nicht den tatsächlichen Wasserstand zum Zeitpunkt der Fahrt.
Das Kartennull dient als einheitlicher Referenzpunkt für die Seevermessung und ermöglicht es, Wassertiefen unabhängig von Gezeiten, Wind oder Luftdruck zuverlässig darzustellen.
Warum ist das Kartennull wichtig?
Der Wasserstand auf See verändert sich ständig. Ursachen sind unter anderem:
- Ebbe und Flut
- Windstau oder ablandiger Wind
- Luftdruckschwankungen
Ohne einen festen Bezugspunkt wären Tiefenangaben auf Seekarten nicht eindeutig. Das Kartennull sorgt dafür, dass alle Tiefen auf derselben Grundlage angegeben werden.
Wie wird die tatsächliche Wassertiefe berechnet?
Um die aktuelle Wassertiefe zu bestimmen, wird der Wasserstand zum Zeitpunkt der Fahrt zur Kartentiefe addiert oder davon abgezogen.
Formel:
Tatsächliche Wassertiefe = Kartentiefe + aktueller Wasserstand
Beispiel
Eine Seekarte weist an einer Stelle eine Tiefe von 2,4 m aus.
- Aktueller Wasserstand: +0,7 m
- Tatsächliche Wassertiefe: 3,1 m
Liegt der Wasserstand dagegen 0,2 m unter Kartennull, beträgt die tatsächliche Wassertiefe dort nur noch 2,2 m.
Woher kennt man den aktuellen Wasserstand?
In Gezeitenrevieren wird der Wasserstand über:
- Gezeitentafeln
- Pegelstände
- Hafeninformationen
- Navigations-Apps oder Plotter
ermittelt. Nur mit diesen Informationen lässt sich die tatsächliche verfügbare Wassertiefe berechnen.
Gut zu wissen
In vielen Ländern orientiert sich das Kartennull am Lowest Astronomical Tide (LAT), also dem niedrigsten astronomisch vorhersehbaren Wasserstand. Dadurch sind die in Seekarten angegebenen Tiefen konservativ gewählt – die tatsächliche Wassertiefe ist in den meisten Situationen größer als der Kartenwert.
Häufige Fragen
Ist Kartennull der mittlere Meeresspiegel?
Nein. Das Kartennull liegt in der Regel unter dem mittleren Meeresspiegel. Es dient als Sicherheitsbezug für Tiefenangaben auf Seekarten.
Gilt das Kartennull weltweit?
Ja, jede amtliche Seekarte verwendet ein Kartennull als Höhenbezug. Welches Bezugsniveau verwendet wird, kann je nach Land und Seegebiet unterschiedlich sein, häufig kommt jedoch das Lowest Astronomical Tide (LAT) zum Einsatz.
Warum sind Tiefen auf der Seekarte oft kleiner als die gemessene Wassertiefe?
Weil sich die Tiefenangaben auf das Kartennull beziehen. Liegt der aktuelle Wasserstand über diesem Bezug, ist die tatsächliche Wassertiefe entsprechend größer.
Sonderfall: Trockenfallende Gebiete
Nicht alle Tiefenangaben in einer Seekarte beziehen sich auf Wassertiefen unterhalb des Kartennulls. In Wattgebieten oder anderen trockenfallenden Bereichen kann das Gelände über dem Kartennull liegen.
Diese Stellen werden in Seekarten durch eine unterstrichene Zahl gekennzeichnet.
Beispiel:
2,3 (unterstrichen)
Das bedeutet nicht, dass dort 2,3 m Wassertiefe vorhanden sind. Stattdessen liegt der Meeresboden 2,3 m über Kartennull. Bei Niedrigwasser fällt dieser Bereich trocken und ist ohne ausreichend auflaufendes Wasser nicht befahrbar.
Gerade diese Darstellung ist ein häufiger Prüfungsinhalt im SKS. Wird nach einer unterstrichenen Tiefenzahl gefragt, lautet die richtige Interpretation:
Der Meeresboden liegt 2,3 m über Kartennull.
Nicht:
- 2,3 m Wassertiefe
- 2,3 m unter Kartennull
- 2,3 m Wasser über dem Grund