Kartentiefe

Definition Kartentiefe

Die Kartentiefe (KT) ist die auf Kartennull bezogene Wassertiefe und der in der Seekarte eingedruckte Tiefenwert. In Gezeitengewässern wie der Nordsee ergibt sie sich aus der Wassertiefe abzüglich der Höhe der Gezeit; in der Ostsee mit ihrem geringen Tidenhub bezieht sich Kartennull stattdessen auf einen festen mittleren Wasserstand.

Kartentiefe einfach erklärt

Kartennull ist ein tief angesetzter Bezugspegel, der so gewählt ist, dass der Wasserstand nur selten darunter fällt. Die Kartentiefe ist der Abstand vom Meeresboden bis zu diesem Bezugspegel – nicht bis zur tatsächlichen Wasseroberfläche. Genau deshalb kannst du bei einer Lotung normalerweise mindestens mit der Kartentiefe rechnen: Meist steht mehr Wasser über dem Grund, selten weniger.

In Gezeitengewässern besteht zwischen drei Größen ein fester Zusammenhang: WT − H = KT, oder umgestellt KT + H = WT. Wassertiefe ist dort die Summe aus dem eingedruckten Kartenwert und der aktuellen Höhe der Gezeit über Kartennull. Die Kartentiefe allein sagt dir nie, wie viel Wasser gerade unter dem Kiel ist – in der Nordsee brauchst du zusätzlich den Tidenstand, in der Ostsee weicht die tatsächliche Tiefe von der Kartentiefe vor allem wetterbedingt ab.

So begegnet dir die Kartentiefe an Bord

Du planst eine Durchfahrt über eine Untiefe, in der Karte steht ein Tiefenwert von 2,1 Metern:

  1. Kartentiefe an der Stelle ablesen: 2,1 Meter.
  2. Höhe der Gezeit für den geplanten Zeitpunkt aus der Gezeitentafel ermitteln, zum Beispiel 1,4 Meter.
  3. Wassertiefe berechnen: 2,1 + 1,4 = 3,5 Meter.
  4. Tiefgang des Schiffes abziehen und einen Sicherheitsabstand einplanen.
  5. Bei Spring- oder Nippzeit die Rechnung für den ungünstigsten erwarteten Wert wiederholen, nicht nur für den Mittelwert.

Der letzte Punkt entscheidet oft über Grundberührung oder freies Wasser. Reicht die Wassertiefe nur bei mittlerer Tide, kann dieselbe Stelle zur Nippzeit knapp und zur Springzeit sogar bei Niedrigwasser noch ausreichend sein – die Kartentiefe bleibt gleich, die Höhe der Gezeit verändert sich.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Kartentiefe (KT) ist die auf Kartennull bezogene Wassertiefe.
  • Formel: KT = WT − H, umgestellt WT = KT + H.
  • Bei einer Lotung kannst du normalerweise mindestens mit der Kartentiefe rechnen.
  • Die Höhe der Gezeit (H) ist der aktuelle Wasserstand über Kartennull und wird der Gezeitentafel entnommen.
  • Zur Springzeit ist der Tidenhub am größten, zur Nippzeit am kleinsten – beide Phasen verändern die Höhe der Gezeit und damit die tatsächliche Wassertiefe.

Typische Fehler

  • Kartentiefe und Wassertiefe verwechseln – die Karte zeigt den ungünstigeren, nicht den aktuellen Wert.
  • Die Formel falsch herum anwenden und die Höhe der Gezeit abziehen statt addieren.
  • Mit dem Mittelwert der Gezeit rechnen, obwohl Spring- oder Nippzeit den Wert deutlich verschieben.
  • Den eigenen Tiefgang und Sicherheitsabstand vergessen und nur die reine Wassertiefe betrachten.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
Wassertiefe (WT)Der tatsächliche, zeitabhängige Wert – Kartentiefe plus Höhe der Gezeit.
KartennullDer Bezugspegel selbst, auf den sich die Kartentiefe bezieht.
Höhe der Gezeit (H)Der veränderliche Anteil, der zur Kartentiefe hinzukommt.
TidenhubDie Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser, nicht ein einzelner Tiefenwert.

Kurz gemerkt

KT plus H gleich WT. Die Karte zeigt dir das Mindeste, was normalerweise da ist – für das, was gerade tatsächlich da ist, brauchst du zusätzlich die Gezeitentafel.

Häufige Fragen

Kann die tatsächliche Tiefe unter der Kartentiefe liegen?

Normalerweise nicht, aber ausgeschlossen ist es nicht. Wind und sehr hoher oder niedriger Luftdruck können die Wasserstände erheblich von den Gezeitentafeln abweichen lassen. Kartennull ist so gewählt, dass solche Fälle selten sind – „normalerweise mindestens“ heißt eben nicht „garantiert immer“.

Warum steht in der Karte nicht gleich die Wassertiefe?

Weil die Wassertiefe sich mit jeder Tide ändert, die Karte aber einen festen Wert drucken muss. Kartentiefe ist deshalb bewusst der ungünstigste verlässliche Wert bezogen auf Kartennull – die veränderliche Höhe der Gezeit rechnest du für den Moment deiner Fahrt selbst dazu.

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