Definition
Die Wassertiefe (WT) ist die zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich vorhandene Tiefe des Wassers an einem Ort. Sie setzt sich zusammen aus der Kartentiefe und der Höhe der Gezeit.
Wassertiefe einfach erklärt
In der Seekarte steht nicht die Wassertiefe, sondern die Kartentiefe – die auf Kartennull bezogene Wassertiefe. Auf Kartennull beziehen sich in den deutschen Gewässern der Ost- und Nordsee alle Tiefenangaben. Die Karte zeigt dir also einen Rechenwert, keine Messung von heute.
Der Zusammenhang ist eine schlichte Addition: Kartentiefe plus Höhe der Gezeit ergibt die Wassertiefe, umgekehrt ist Wassertiefe minus Höhe der Gezeit die Kartentiefe. Weil Kartennull so gewählt ist, dass der Wasserstand es normalerweise nicht unterschreitet, kannst du bei einer Lotung im Regelfall mindestens mit der Kartentiefe rechnen. Das ist die beruhigende Seite. Die unberuhigende: Es ist ein Mindestwert, keine Garantie.
So begegnet dir die Wassertiefe an Bord
Du willst in einer Bucht ankern und liest in der Karte eine Kartentiefe von 3,2 Metern. Dein Schiff hat 1,8 Meter Tiefgang. Reicht das?
- Höhe der Gezeit für den geplanten Zeitpunkt ermitteln. Angenommen 1,1 Meter – dann beträgt die Wassertiefe 3,2 plus 1,1, also 4,3 Meter.
- Nicht mit diesem Wert rechnen, sondern mit dem ungünstigsten: Beim nächsten Niedrigwasser bleiben im Regelfall 3,2 Meter.
- Tiefgang abziehen: 3,2 minus 1,8 ergibt 1,4 Meter Wasser unter dem Kiel zum kritischen Zeitpunkt.
- Sicherheitszuschlag für Seegang, Schwell und Ungenauigkeiten ansetzen – und daran denken, dass Wind und Luftdruck den Wasserstand zusätzlich verändern.
- Erst danach entscheiden, ob der Platz taugt.
Beim Loten gilt dasselbe Prinzip rückwärts. Lotest du außerhalb der Niedrigwasserzeit, musst du bedenken, dass die Wassertiefe beim folgenden Niedrigwasser geringer sein wird als im Moment der Messung. Deshalb gehört zu jeder Lotung die Uhrzeit ins Logbuch: Nur so lässt sich anhand der Gezeitentafel feststellen, ob das Wasser gerade steigt oder fällt.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Es gilt: Kartentiefe plus Höhe der Gezeit ist gleich Wassertiefe, beziehungsweise Wassertiefe minus Höhe der Gezeit ist gleich Kartentiefe.
- Die Kartentiefe ist die auf Kartennull bezogene Wassertiefe.
- Tiefenangaben in Seekarten der deutschen Ost- und Nordsee beziehen sich auf Kartennull.
- Bei einer Lotung kannst du normalerweise mindestens mit der Kartentiefe rechnen.
- Zu jeder Lotung gehört die Uhrzeit, um über die Gezeitentafel steigendes oder fallendes Wasser zu erkennen.
Typische Fehler
- Die Kartenangabe für die aktuelle Wassertiefe halten – sie ist auf Kartennull bezogen, nicht auf jetzt.
- Bei Hochwasser loten und den Wert für die Nacht übernehmen; beim folgenden Niedrigwasser wird es flacher.
- Die Gezeitentafel für exakt halten: Wind und sehr hoher oder niedriger Luftdruck können die Wasserstände erheblich verändern, auch die Eintrittszeiten verschieben sich.
- Das Echolot ungeprüft ablesen, ohne zu wissen, ob es ab Wasserlinie, ab Kiel oder ab Geberposition misst.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Kartentiefe (KT) | Auf Kartennull bezogener Wert aus der Seekarte, unabhängig vom Zeitpunkt. |
| Kartennull | Die Bezugsfläche selbst, nicht eine Tiefe. |
| Höhe der Gezeit (H) | Der Betrag, um den der Wasserstand über Kartennull liegt. |
| Tiefgang | Eigenschaft des Schiffes; erst Wassertiefe minus Tiefgang ergibt das Wasser unter dem Kiel. |
Kurz gemerkt
KT plus H ergibt WT. In der Karte steht immer die Kartentiefe, im Wasser steht die Wassertiefe – und wer ankert, rechnet mit dem nächsten Niedrigwasser, nicht mit dem aktuellen Stand.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine Tiefenangabe wie 2,3 in Küstennähe?
Bei einer solchen Angabe in Küstennähe liegt der Ort der Zahl 2,3 Meter über Kartennull und kann trockenfallen. Es handelt sich also nicht um Wasser unter dir, sondern um Grund über der Bezugsfläche. Wie solche Werte in deiner Karte dargestellt sind, steht in der Zeichenerklärung – dort nachsehen lohnt sich, bevor man sie verwechselt.
Gilt das alles auch in der Ostsee ohne nennenswerte Gezeiten?
Die Rechnung bleibt gültig, die Höhe der Gezeit ist dort nur klein. Trotzdem darfst du nicht mit konstanten Wasserständen planen: Auch in gezeitenlosen Revieren treten durch Wind und Luftdruck erhebliche Wasserstandsschwankungen auf.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- In welchem Zusammenhang stehen Kartentiefe (KT), Wassertiefe (WT) und Höhe der Gezeit (H)?
- Was ist die Kartentiefe?
- Mit welcher Wassertiefe können Sie bei einer Lotung normalerweise mindestens rechnen?
- Was müssen Sie bedenken, wenn Sie die Wassertiefe außerhalb der Niedrigwasserzeit loten?
- Warum ist es wichtig, die Uhrzeit einer Lotung festzuhalten?
- Worauf beziehen sich die Tiefenangaben in Seekarten in den deutschen Gewässern der Ost- und Nordsee?
- Auf einer Seekarte finden Sie in Küstennähe die Tiefenangabe 2,3. Was bedeutet das?
- Weshalb und wie können die tatsächlichen Wasserstände von den Angaben in den Gezeitentafeln erheblich abweichen?