Definition
Feuer in der Kimm ist ein Verfahren zur Abstandsbestimmung: In dem Moment, in dem ein Leuchtfeuer über die Erdkrümmung hinweg gerade sichtbar wird oder verschwindet, lässt sich der Abstand dorthin aus Tabellen ablesen.
Feuer in der Kimm einfach erklärt
Die Kimm ist die sichtbare Grenze zwischen Himmel und Wasser, also der scheinbare Horizont. Weil die Erde gekrümmt ist, taucht ein Leuchtfeuer beim Näherkommen nicht allmählich auf, sondern erscheint an einem bestimmten Punkt schlagartig über der Kimm. Dieser Moment ist präzise und damit navigatorisch verwertbar.
Genau dafür braucht es die Sichtweite eines Feuers: die Entfernung, auf die es über die Erdkrümmung hinweg vom Beobachter gesehen werden kann. Sie hängt allein von der Feuerhöhe und der Augenhöhe des Beobachters ab – Geometrie, nicht Optik. Kennst du beide Höhen, kennst du den Abstand im Moment des Auftauchens. Zusammen mit einer Peilung desselben Feuers ergibt das eine vollständige Ortsbestimmung: Peilung und Abstand.
So begegnet dir das Verfahren an Bord
Du läufst nachts eine Küste an und weißt aus der Törnvorbereitung, welches Feuer wann in der Kimm erscheinen müsste. So gehst du vor:
- Vorher prüfen, ob die Tragweite mindestens gleich der Sichtweite ist – sonst ist das Feuer zu schwach, um im Moment des Auftauchens gesehen zu werden.
- Augenhöhe über Wasser abschätzen: im Cockpit einer Fahrtenyacht typischerweise wenige Meter, stehend etwas mehr.
- Feuerhöhe aus der Seekarte oder dem Leuchtfeuerverzeichnis entnehmen.
- Aufmerksam Ausschau halten. Der erste Lichtschein ist oft nur ein kurzes Aufblitzen über der Kimm – deshalb tief im Cockpit bleiben und nicht aufstehen, das verfälscht die Augenhöhe.
- Im Moment des Auftauchens Uhrzeit notieren, das Feuer peilen und den Tabellenabstand ansetzen. Peilung und Abstand ergeben deinen Ort.
Die Tabellen zur Ermittlung des Abstandes eines Feuers in der Kimm findest du in den deutschen und britischen Leuchtfeuerverzeichnissen. Zur Vorbereitung einer Nachtfahrt gehört ohnehin, in der Seekarte zu markieren, welche Leuchtfeuer wann und wo in der Kimm erscheinen – dann musst du nachts nur noch beobachten statt zu rechnen.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Damit das Verfahren anwendbar ist, muss die Tragweite mindestens gleich der Sichtweite sein.
- Die Sichtweite hängt von der Feuerhöhe und der Augenhöhe des Beobachters ab.
- Die Tragweite hängt unter anderem von der Lichtstärke des Feuers und vom Sichtwert ab, also der Lichtdurchlässigkeit der Atmosphäre.
- Die Tabellen stehen in den deutschen und britischen Leuchtfeuerverzeichnissen.
- Zusammen mit einer Peilung ist das Verfahren eine Möglichkeit der Ortsbestimmung, wenn nur ein Objekt in Sicht ist.
Typische Fehler
- Tragweite und Sichtweite verwechseln – die eine beschreibt die Leuchtkraft, die andere die Geometrie.
- Die Kartenangabe wie 18M für die Sichtweite halten; sie nennt die Nenntragweite.
- Die Augenhöhe zu großzügig ansetzen und damit einen zu großen Abstand ablesen.
- Bei Dunst oder Regen darauf vertrauen: Sinkt der Sichtwert, wird das Feuer später sichtbar als berechnet.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Sichtweite | Geometrische Grenze über die Erdkrümmung, abhängig von Feuer- und Augenhöhe. |
| Tragweite | Abstand, in dem das Feuer einen eben noch deutlichen Lichteindruck hervorruft. |
| Nenntragweite | Tragweite bei einer meteorologischen Sichtweite am Tage von 10 Seemeilen – der Wert in der Seekarte. |
| Kreuzpeilung | Ortsbestimmung aus zwei Peilungen statt aus Peilung und Abstand. |
Kurz gemerkt
Sichtweite ist Geometrie, Tragweite ist Licht. Das Verfahren funktioniert nur, wenn das Feuer hell genug ist, um am geometrischen Horizont überhaupt gesehen zu werden – Tragweite mindestens gleich Sichtweite.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Angabe 18M in der Seekarte?
Das ist die Nenntragweite, hier 18 Seemeilen. Sie gilt für eine meteorologische Sichtweite am Tage von 10 Seemeilen. Bei schlechterem Sichtwert siehst du das Feuer früher nicht mehr, bei sehr klarer Luft entsprechend weiter.
Warum ist die Augenhöhe so wichtig?
Weil sie zusammen mit der Feuerhöhe die Sichtweite bestimmt. Je höher dein Auge über Wasser liegt, desto weiter reicht dein Blick über die Erdkrümmung – und desto früher taucht das Feuer auf. Deshalb solltest du für die Beobachtung eine feste Position einnehmen und sie nicht zwischendurch wechseln.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Wie müssen sich Tragweite und Sichtweite zueinander verhalten, damit das Verfahren zur Ortsbestimmung „Feuer in der Kimm“ angewandt werden kann?
- Wo findet man Tabellen zur Ermittlung des Abstandes eines Feuers in der Kimm?
- Was ist „Sichtweite“ eines Feuers? Wovon hängt sie ab?
- Was ist „Tragweite“ eines Feuers?
- Wovon hängt die „Tragweite“ eines Feuers ab?
- Was ist „Nenntragweite“ eines Feuers?
- In der Seekarte finden Sie bei einem Leuchtfeuer die Eintragung: 18M. Was bedeutet diese Angabe?
- Welche navigatorischen Vorbereitungen treffen Sie vor einer Fahrt in Dunkelheit?