Segel-Lexikon: nautische Fachbegriffe von A bis Z

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Seitenpeilung

Definition

Die Seitenpeilung ist die Richtung zu einem Objekt, gemessen relativ zur Schiffslängsachse. Der Bezugspunkt ist also nicht Nord, sondern der eigene Bug – recht voraus entspricht null Grad.

Seitenpeilung einfach erklärt

Eine Peilung mit dem Kompass bezieht sich auf eine Nordrichtung. Die Seitenpeilung tut das nicht: Sie beschreibt, wo etwas aus Sicht des eigenen Schiffes liegt. Deshalb ändert sie sich, sobald du den Kurs änderst, auch wenn das Objekt völlig stillsteht.

Angegeben wird sie auf zwei Arten. Entweder in Grad von 0 bis 360, im Uhrzeigersinn vom Bug aus gezählt – dann liegt querab an Steuerbord bei 090 Grad und querab an Backbord bei 270 Grad. Oder klassisch in Strich mit Seitenangabe: Der Vollkreis hat 32 Strich, ein Strich entspricht also 11,25 Grad. „Zwei Strich an Backbord“ heißt demnach 22,5 Grad links vom Bug. Genau diese Sprechweise findest du in den Prüfungsaufgaben zur Lichterführung wieder.

So begegnet dir die Seitenpeilung an Bord

Der häufigste Fall ist die Lagebeurteilung bei Nacht. Ein Crewmitglied meldet: „Weißes Licht, etwa querab an Steuerbord.“ Das ist eine Seitenpeilung – schnell, ohne Instrument, für jeden an Deck sofort verständlich. Willst du daraus eine Standlinie für die Karte gewinnen, musst du umrechnen:

  1. Seitenpeilung ablesen oder schätzen, etwa 045 Grad, also Steuerbord voraus auf halber Strecke zum Querab.
  2. Anliegenden rechtweisenden Kurs feststellen, sagen wir 310 Grad rechtweisend.
  3. Beides addieren: 310 plus 045 ergibt 355 Grad rechtweisende Peilung.
  4. Bei Werten über 360 die 360 abziehen. Aus 310 plus 090 würde so 040 Grad.
  5. Nur den rechtweisenden Wert in die Seekarte eintragen.

Der zweite große Anwendungsfall ist die Kollisionsverhütung. Bleibt ein Fahrzeug über längere Zeit unter derselben Seitenpeilung und kommt dabei näher, nähert ihr euch auf Kollisionskurs. Diese stehende Peilung ist das entscheidende Erkennungsmerkmal – und sie funktioniert nur, solange du selbst Kurs hältst. Änderst du zwischendurch den Kurs, ist die Beobachtungsreihe wertlos.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Die Seitenpeilung bezieht sich auf die Schiffslängsachse, nicht auf eine Nordrichtung.
  • Rechtweisender Kurs plus Seitenpeilung ergibt die rechtweisende Peilung; über 360 Grad wird 360 abgezogen.
  • Ein Strich entspricht 11,25 Grad, der Vollkreis hat 32 Strich.
  • Angaben wie „2 Strich an Backbord“ oder „querab an Steuerbord“ in den Prüfungsaufgaben sind Seitenpeilungen.
  • Für die Ortsbestimmung in der Karte taugt sie nur nach Umrechnung auf rechtweisend.

Typische Fehler

  • Eine Seitenpeilung direkt in die Karte eintragen – ohne den Kurs dazu ist sie dort bedeutungslos.
  • Den missweisenden statt des rechtweisenden Kurses addieren; die Missweisung muss vorher angebracht sein.
  • Bei der Beobachtung auf stehende Peilung zwischendurch den Kurs ändern und die Reihe trotzdem weiterführen.
  • Strich und Grad verwechseln – zwei Strich sind 22,5 Grad, nicht zwei Grad.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
Rechtweisende PeilungBezieht sich auf rechtweisend Nord und ist ohne Kursangabe verwendbar.
NullpeilungSonderfall der Seitenpeilung: Das Objekt liegt recht voraus, also bei null Grad.
KreuzpeilungVerfahren zur Ortsbestimmung aus zwei Standlinien – die Seitenpeilung ist nur eine Messgröße.
KursRichtung, in die das Schiff fährt; die Seitenpeilung zeigt zu einem Objekt.

Kurz gemerkt

Seitenpeilung zählt vom Bug, nicht von Nord. Rechtweisender Kurs plus Seitenpeilung ergibt die rechtweisende Peilung – über 360 einfach 360 abziehen. Und ein Strich sind 11,25 Grad.

Häufige Fragen

Wozu die Seitenpeilung, wenn es den Kompass gibt?

Weil sie ohne Instrument und ohne Rechnen auskommt. „Zwei Strich an Backbord“ versteht jeder an Deck sofort und kann in die richtige Richtung schauen. Für die Karte brauchst du am Ende die rechtweisende Peilung – für die schnelle Verständigung an Bord ist die Seitenpeilung überlegen.

Wieso ändert sich die Seitenpeilung, obwohl das Objekt stillsteht?

Weil sie sich auf dein Schiff bezieht. Drehst du den Bug nach Steuerbord, wandert ein feststehender Leuchtturm in der Seitenpeilung nach Backbord. Genau deshalb ist sie für die Beurteilung einer Kollisionsgefahr nur brauchbar, solange du Kurs und Fahrt beibehältst.

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