Definition
Gezeitenstromtabellen geben Richtung und Geschwindigkeit des Gezeitenstroms für bestimmte Punkte eines Seegebiets an. Sie sind auf die Hochwasserzeiten eines dort genannten Bezugsortes bezogen und stehen in Seekarten sowie in nautischen Veröffentlichungen.
Gezeitenstromtabellen einfach erklärt
Der Gezeitenstrom ändert im Tagesverlauf Richtung und Stärke – und beides hängt vom Stand der Tide ab. Genau deshalb sind die Tabellen nicht nach Uhrzeit sortiert, sondern nach dem Abstand zum Hochwasser des Bezugsortes: sechs Stunden vor Hochwasser, fünf Stunden vor Hochwasser und so weiter bis sechs Stunden danach.
Ohne die Hochwasserzeit des Bezugsortes ist die Tabelle also wertlos. Diese Zeit holst du dir aus den Gezeitentafeln, dann suchst du die passende Zeile. Informationen über Gezeitenströme in Küstengewässern findest du daneben in Gezeitenstromatlanten und Seehandbüchern – die Tabelle in der Seekarte ist die kompakteste, aber nicht die einzige Quelle.
So begegnen dir Gezeitenstromtabellen an Bord
Du planst eine Querung und willst wissen, wie stark dich der Strom versetzt:
- Bezugsort der Tabelle feststellen – er steht im Kopf der Tabelle in der Seekarte.
- Hochwasserzeit für diesen Bezugsort aus den Gezeitentafeln entnehmen.
- Abstand deiner geplanten Fahrzeit zum Hochwasser berechnen, etwa „zwei Stunden nach HW“.
- In der Zeile die Stromrichtung und -geschwindigkeit für den Kartenpunkt ablesen, an dem du dich befinden wirst.
- Spring- oder Nippwerte beachten: Zur Springzeit setzen die Gezeitenströme zum Teil deutlich stärker als zur Nippzeit.
Warum das nötig ist, zeigt ein Blick aufs Log. Die üblichen Logmethoden liefern ausschließlich die Fahrt durchs Wasser. Um die Fahrt über Grund zu ermitteln, müssen Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit berücksichtigt werden. Mitlaufender Strom erhöht die Fahrt über Grund – das Log zeigt das aber nicht an. Wer nur nach Log koppelt, unterschätzt oder überschätzt seine Position systematisch.
Genau hier entsteht sonst Besteckversetzung: Sie beschreibt Richtung und Entfernung vom Koppelort zum beobachteten Ort für denselben Zeitpunkt. Als Ursachen nennt der Fragenkatalog ungenaues Steuern und Koppeln, Kursfehler etwa durch eine ungenaue Steuertafel sowie die fehlende oder unvollständige Berücksichtigung von Strom und Wind. Die Stromtabelle ist das Mittel gegen den letzten Punkt.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Informationen über Gezeitenströme findest du in Gezeitenstromatlanten, Seehandbüchern und in Seekarten aus Gezeitenstromtabellen.
- Die Tabellen sind auf die Hochwasserzeiten des dort genannten Bezugsortes bezogen.
- Zur Springzeit setzen die Gezeitenströme zum Teil deutlich stärker als zur Nippzeit.
- Loggen liefern nur die Fahrt durchs Wasser; für die Fahrt über Grund sind Stromrichtung und -geschwindigkeit zu berücksichtigen.
- Auch in gezeitenlosen Revieren treten Strömungen auf – etwa Triftstrom durch Stärke, Dauer und Richtung des Windes.
Typische Fehler
- Die Tabelle ohne die Hochwasserzeit des Bezugsortes lesen – ohne sie lässt sich keine Zeile zuordnen.
- Den Bezugsort mit dem eigenen Standort verwechseln; beide liegen oft weit auseinander.
- Spring- und Nippwerte gleichsetzen und die stärkeren Ströme der Springzeit unterschätzen.
- Nach Loganzeige koppeln und den Strom weglassen – die Besteckversetzung kommt dann garantiert.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Gezeitenstromatlas | Kartenwerk mit Strompfeilen für ein ganzes Seegebiet statt einer Tabelle für einzelne Punkte. |
| Gezeitentafel | Liefert Zeiten und Höhen von Hoch- und Niedrigwasser, nicht den Strom. |
| Seehandbuch | Beschreibt Reviere in Textform, enthält Stromangaben unter anderem. |
| Besteckversetzung | Die Abweichung, die entsteht, wenn der Strom nicht berücksichtigt wurde. |
Kurz gemerkt
Erst Hochwasserzeit des Bezugsortes, dann Zeile in der Tabelle. Ohne diesen Bezug ist die Tabelle nur eine Zahlenkolonne – und ohne Strom im Besteck stimmt die Koppelposition nicht.
Häufige Fragen
Wo genau finde ich die Tabelle?
In der Seekarte selbst, meist als Kasten am Rand, mit nummerierten Punkten, die den Positionen in der Karte entsprechen. Daneben stehen Stromangaben in Gezeitenstromatlanten und Seehandbüchern – letztere beschreiben das Revier zusätzlich in Textform.
Gilt das auch in der Ostsee?
Gezeitenströme im engeren Sinn kaum, weil der Tidenhub gering ist. Strömungen gibt es dort trotzdem: Auch in gezeitenlosen Revieren können erhebliche Wasserstandsschwankungen und Strömungen wie der Triftstrom auftreten – durch Stärke, Dauer und Richtung des Windes oder durch zurückschwappende aufgestaute Wassermassen.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Wo können Sie Informationen über Gezeitenströme in Küstengewässern finden?
- Welche Bedeutung haben die Angaben „Nippzeit“ bzw. „Springzeit“ für die Gezeitenströme?
- Was müssen Sie beachten, wenn Sie die mit Loggen ermittelte Fahrt für das Arbeiten in Seekarten berücksichtigen wollen?
- Welche Ursachen kann die Besteckversetzung (BV) haben?
- Wie wirkt sich mitlaufender Strom auf die Fahrt eines Fahrzeugs und die Loganzeige aus?
- Wodurch können auch in gezeitenlosen Revieren erhebliche Wasserstandsschwankungen und Strömungen (z.B. Triftstrom) hervorgerufen werden?