Der Gezeitenstrom ist die durch Ebbe und Flut verursachte horizontale Wasserbewegung in Tidengewässern. In der Navigation ist er von zentraler Bedeutung, da er Kurs über Grund und Fahrt über Grund eines Schiffes erheblich beeinflussen kann.
Entstehung des Gezeitenstroms
Gezeiten entstehen durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne sowie durch die Erdrotation. Während sich der Wasserstand hebt (Flut) oder senkt (Ebbe), kommt es nicht nur zu vertikalen, sondern auch zu horizontalen Wasserbewegungen. Diese Strömungen werden als Gezeitenströme bezeichnet.
In offenen Seegebieten verlaufen sie meist schwächer, in Küstennähe, Seegatten oder engen Fahrwassern können sie jedoch erhebliche Geschwindigkeiten erreichen.
Ebbstrom und Flutstrom
- Flutstrom – Strömung in Richtung Hochwasser
- Ebbstrom – Strömung in Richtung Niedrigwasser
Die Stromrichtung ändert sich im Rhythmus der Gezeiten, typischerweise etwa alle sechs Stunden.
Stromstärke und Stromatlas
Die Stärke des Gezeitenstroms hängt von:
- Geografischer Lage
- Küstenform und Wassertiefe
- Spring- oder Nipptide
In der Nordsee oder im Ärmelkanal können Strömungen mehrere Knoten erreichen. Angaben zu Richtung und Stärke finden sich im Gezeitenstromatlas oder in Tidenstromtabellen.
Einfluss auf die Navigation
Gezeitenstrom wirkt als seitlicher Versatz oder als Gegen- bzw. Mitstrom. Er beeinflusst:
- Kurs über Grund (KüG)
- Fahrt über Grund (FüG)
- Ankunftszeiten (ETA)
Zur Berücksichtigung des Stroms wird in der terrestrischen Navigation das Stromdreieck konstruiert, bei dem Fahrt durchs Wasser und Stromvektor kombiniert werden.
Gefahrenbereiche
Besonders kritisch ist Gezeitenstrom:
Starker Gegenstrom kann die Fahrt über Grund erheblich reduzieren oder sogar zum Stillstand führen.
Relevanz für die SKS-Prüfung
Im Sportküstenschifferschein (SKS) ist der Gezeitenstrom ein zentraler Bestandteil der Navigation. Prüflinge müssen Stromrichtung und -stärke aus Tabellen entnehmen, korrekt umrechnen und in Kursberechnungen berücksichtigen können.
Der Gezeitenstrom ist somit die durch Ebbe und Flut verursachte Strömung, die maßgeblich über Sicherheit, Geschwindigkeit und Kursführung in Tidenrevieren entscheidet.