Definition
Die Besteckversetzung (BV) ist die Richtung in rechtweisend Grad und die Entfernung in Seemeilen vom Koppelort zum beobachteten Ort, bezogen auf denselben Zeitpunkt. Sie beschreibt damit, wie weit deine gerechnete Position von der tatsächlich beobachteten abweicht.
Besteckversetzung einfach erklärt
An Bord führst du zwei Positionen parallel. Der Koppelort entsteht aus Kurs, Fahrt und Zeit – er ist gerechnet. Der beobachtete Ort entsteht aus einer Messung, etwa einer Kreuzpeilung. Beide sollten übereinstimmen. Tun sie es nicht, ist der Abstand dazwischen die Besteckversetzung.
Wichtig ist die Richtung der Betrachtung: Gemessen wird immer vom Koppelort zum beobachteten Ort. Der beobachtete Ort ist die verlässlichere Angabe, denn er stammt aus einer Beobachtung und nicht aus einer Kette von Annahmen. Die Besteckversetzung sagt dir also nicht, wo du bist – sondern wie falsch deine Rechnung war.
So begegnet dir die Besteckversetzung an Bord
Du koppelst seit zwei Stunden und nimmst dann eine Kreuzpeilung. So arbeitest du weiter:
- Beide Orte für denselben Zeitpunkt in die Karte eintragen – Koppelort und beobachteten Ort.
- Verbindungslinie vom Koppelort zum beobachteten Ort ziehen.
- Richtung dieser Linie rechtweisend abnehmen und die Länge in Seemeilen abmessen. Beispiel: 070 Grad rechtweisend, 1,8 Seemeilen.
- Ab jetzt vom beobachteten Ort weiterkoppeln, nicht vom Koppelort.
- Ursache suchen: Passt die Richtung zum vermuteten Strom, oder liegt der Fehler beim Steuern oder Kompass?
Der letzte Punkt ist der eigentliche Wert. Der Fragenkatalog nennt drei Ursachen: ungenaues Steuern und Koppeln, Kursfehler etwa durch eine ungenaue Steuertafel sowie fehlende oder unvollständige Berücksichtigung von Strom und Wind. Aus der Richtung der Versetzung lässt sich oft ableiten, welche davon vorliegt.
Ein Beispiel: Zeigt die Versetzung quer zum Kurs und passt sie zur Stromrichtung aus der Gezeitenstromtabelle, war der Strom die Ursache – dann rechnest du ihn beim nächsten Schlag ein. Zeigt sie dagegen bei jeder Peilung in dieselbe Richtung relativ zum Kurs, spricht das für einen systematischen Kursfehler. Genau dafür sind regelmäßige Kompasskontrollen nötig: zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Kompasses und der Werte in der Ablenkungstabelle.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Die BV ist Richtung (rechtweisend) und Entfernung (in Seemeilen) vom Koppelort zum beobachteten Ort, bezogen auf denselben Zeitpunkt.
- Drei Ursachen: ungenaues Steuern und Koppeln, Kursfehler durch ungenaue Steuertafel, fehlende oder unvollständige Berücksichtigung von Strom und Wind.
- Logmethoden liefern nur die Fahrt durchs Wasser; für die Fahrt über Grund sind Stromrichtung und -geschwindigkeit zu berücksichtigen.
- GPS-Geräte zeigen dagegen die Fahrt über Grund an.
- Die Position ist regelmäßig einzutragen, um Abweichungen von der Kurslinie frühzeitig zu erkennen und den Kurs gegebenenfalls zu berichtigen.
Typische Fehler
- Die Richtung verkehrt herum abnehmen – gemessen wird vom Koppelort zum beobachteten Ort, nicht umgekehrt.
- Beide Orte für verschiedene Zeitpunkte vergleichen; die BV gilt nur für denselben Zeitpunkt.
- Nach der Peilung vom alten Koppelort weiterrechnen, statt vom beobachteten Ort neu anzusetzen.
- Die Versetzung nur zur Kenntnis nehmen, ohne nach der Ursache zu fragen – dann wiederholt sie sich beim nächsten Schlag.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Koppelort | Die gerechnete Position – einer der beiden Endpunkte der BV. |
| Beobachteter Ort | Die gemessene Position, etwa aus einer Kreuzpeilung – der andere Endpunkt. |
| Stromversetzung | Beschreibt nur den Anteil des Stroms; die BV umfasst alle Fehlerquellen zusammen. |
| Abdrift | Die Versetzung durch Wind – eine der möglichen Ursachen, nicht die Abweichung selbst. |
Kurz gemerkt
Vom Koppelort zum beobachteten Ort, gleicher Zeitpunkt, rechtweisend und in Seemeilen. Der beobachtete Ort gilt – und die Richtung der Versetzung verrät dir meist die Ursache.
Häufige Fragen
Von welchem Ort koppele ich nach der Peilung weiter?
Vom beobachteten Ort. Er beruht auf einer Messung und ist damit verlässlicher als die Rechnung. Der Koppelort wird verworfen, die Besteckversetzung bleibt als Information über die Fehlerquelle stehen.
Brauche ich das noch, wenn ich GPS an Bord habe?
Für die Prüfung ja, in der Praxis als Rückfallebene. GPS-Geräte zeigen die Fahrt über Grund an und liefern eine laufende Position – fällt die Anlage aus, koppelst du weiter und brauchst das Verfahren. Außerdem zeigt dir die Besteckversetzung Fehler in Kompass und Steuertafel, die dir ein Plotter nie verrät.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Was ist die Besteckversetzung (BV)?
- Welche Ursachen kann die Besteckversetzung (BV) haben?
- Was müssen Sie beachten, wenn Sie die mit Loggen ermittelte Fahrt für das Arbeiten in Seekarten berücksichtigen wollen?
- Welche Fahrt zeigen GPS-Geräte an?
- Warum müssen Sie Ihre Position regelmäßig in die Seekarte eintragen?
- Warum sind regelmäßige Kompasskontrollen erforderlich?