Rechnerisch ermittelte Position aus Kurs, Fahrt und Zeit, korrigiert um Strom und Abdrift. An Bord Grundlage fürs Koppeln und Navigieren ohne Peilung.
Bedeutung von Besteck
Als Besteck wird in der terrestrischen Navigation die geschätzte Schiffsposition bezeichnet, die aus dem zuletzt bekannten Ort durch Fortschreiben der Bewegung entsteht. Ergebnis ist der Besteckort oder Besteckpunkt auf der Seekarte, oft als Zwischenlösung, bis ein sicherer Standort durch Peilungen, GPS oder andere Ortsbestimmungen vorliegt.
Im SKS-Kontext ist das Besteck ein zentrales Werkzeug für die Navigation bei schlechter Sicht, nachts oder wenn Landmarken und Tonnen nicht zuverlässig gepeilt werden können. Es dient außerdem der laufenden Kontrolle, ob die geplante Route im Hinblick auf Untiefen, Sperrgebiete und Verkehrstrennungsgebiete sicher bleibt.
Abgrenzung: Koppelort und Besteckort
In vielen Ausbildungsschemata wird unterschieden zwischen Koppelort und Besteckort:
- Koppelort: Fortschreiben nur mit gesteuertem Kurs und Fahrt durchs Wasser über die Zeit, ohne Einfluss von Strom.
- Besteckort: Koppelort plus Versatz (Besteckversatz) durch Strom, oft zusätzlich beeinflusst durch Windabdrift.
Diese Unterscheidung ist praktisch, weil Kurs und Fahrt durch Wasser an Bord aus Kompass und Log verfügbar sind, während Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit meist aus Gezeitenatlas, Stromkarten, Revierinfos oder Beobachtung abgeschätzt werden.
Besteckrechnung in der Praxis
Benötigte Angaben
Für eine saubere Besteckrechnung werden typischerweise folgende Größen verwendet:
- Ausgangsort mit Uhrzeit: letzter sicherer Standort, zum Beispiel GPS-Position oder Kreuzpeilung.
- gesteuerter Kurs: zumeist Kompasskurs, nach Korrekturen als rechtweisender Kurs für die Karte.
- Fahrt durchs Wasser: Logfahrt in Knoten.
- Zeit: Dauer seit dem Ausgangsort.
- Strom: Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit für den Zeitraum.
- Abdrift: vor allem unter Segel relevant, wenn der tatsächliche Kurs durchs Wasser vom gesteuerten Kurs abweicht.
Vorgehen beim Plotten in der Seekarte
Üblich ist ein zweistufiges Verfahren: Zuerst wird der Koppelort berechnet und gezeichnet, anschließend der Stromversatz als Vektor angehängt. Aus der Addition ergibt sich der Besteckort. Bei längeren Strecken wird in Zeitabschnitte aufgeteilt, da Strom und Wind oft variieren.
Rechnerisch basiert die Strecke auf der Grundformel Strecke = Fahrt × Zeit. Beispiel: 5 kn über 30 Minuten ergeben 2,5 Seemeilen. Diese Distanz wird auf dem Kurs abgetragen; danach wird der Stromvektor für denselben Zeitraum ergänzt.
Besteckversatz und Stromdreieck
Der Besteckversatz ist der durch Strom verursachte Ortsversatz in Richtung des Setzens. In der Karte entspricht das einem Pfeil, dessen Richtung die Stromrichtung und dessen Länge die verdriftete Strecke darstellt. Aus Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit lässt sich die Versatzstrecke für den Zeitraum bestimmen, zum Beispiel 2 kn Strom über 1 Stunde entsprechen 2 Seemeilen.
Grafisch entsteht das sogenannte Stromdreieck: Kurs und Fahrt durchs Wasser liefern den Fahrvektor durchs Wasser, der Stromvektor wird addiert, und die Diagonale ergibt Kurs über Grund und Fahrt über Grund. Das ist besonders hilfreich, um zu prüfen, ob ein geplanter Kurs tatsächlich sicher an einer Untiefe vorbeiführt oder ob Gegenstrom zu Zeitproblemen führt.
Typische Fehlerquellen
Unsaubere Zeitführung
Schon kleine Zeitfehler verursachen deutliche Ortsfehler. Deshalb gehören klare Uhrzeiten zu jedem Eintrag, und Kursänderungen sollten sofort in der Karte nachvollzogen werden.
Verwechslung von Bezugsgrößen
Häufige Prüfungsfalle ist das Vermischen von Fahrt durchs Wasser und Fahrt über Grund. Für Koppeln und Besteck wird in der Regel mit Fahrt durchs Wasser gerechnet und der Strom anschließend als Versatz addiert.
Unterschätzte Abdrift unter Segel
Unter Segel kann der scheinbare Kurs durch Winddruck und Seegang von der tatsächlichen Fahrt durchs Wasser abweichen. Wird Abdrift ignoriert, liegt der Besteckort oft seitlich versetzt, was in engen Fahrwassern sicherheitsrelevant ist.
Relevanz für SKS: Was sicher sitzen sollte
Für die Navigation des SKS-Schein wird erwartet, dass ein Besteckpunkt sicher in die Karte übertragen und fortgeschrieben werden kann. Dazu gehören das korrekte Arbeiten mit Kursen, das Abtragen von Distanzen mit Zirkel und Maßstab, das Einzeichnen von Stromvektoren sowie das saubere Beschriften mit Uhrzeiten. In der Praxis gilt: Besteck ist eine Schätzung und muss regelmäßig durch eine sichere Ortsbestimmung überprüft werden.