Springzeit

Definition Springzeit

Springzeit bezeichnet die Phase im Tidengeschehen, in der Mond und Sonne in einer Linie mit der Erde stehen und ihre Anziehungskräfte sich addieren. Die Folge sind besonders hohe Hochwasser, besonders niedrige Niedrigwasser und deutlich stärkere Gezeitenströme.

Springzeit einfach erklärt

Gezeiten entstehen durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne. Entscheidend ist, wie beide zueinander stehen. Bei Springzeit befinden sich Mond und Sonne in einer Linie mit der Erde – ihre Wirkungen verstärken sich. Bei Nippzeit stehen die Verbindungslinien Erde/Sonne und Erde/Mond im rechten Winkel zueinander, dann schwächen sie sich gegenseitig ab.

Zwischen beiden Extremen liegt die Mittzeit. Welche Phase gerade herrscht, beschreibt das Alter der Gezeit: Es gibt an, ob sich das aktuelle Tidengeschehen in Nippzeit, Mittzeit oder Springzeit befindet. Wer diesen Wert kennt, weiß, ob die kommenden Tage extremer oder ausgeglichener werden.

Skizze

Wegen der Springverzögerung tritt die Springtide nicht exakt bei Neu- oder Vollmond ein — maßgeblich sind die Gezeitentafeln.

Spring Mitt Nipp Mit Wasserzeichen
Springzeit 1

So begegnet dir die Springzeit an Bord

Springzeit hat zwei getrennte Auswirkungen, die du beide einplanen musst – auf die Wasserstände und auf die Ströme.

  1. Hochwasser: besonders hoch. Gut für die Ansteuerung einer Barre, schlecht für die Durchfahrtshöhe unter einer Brücke.
  2. Niedrigwasser: besonders niedrig. Der kritische Wert für jede Tiefenplanung – ein Ankerplatz, der bei Mittzeit reicht, kann zur Springzeit zu flach werden.
  3. Gezeitenströme: setzen zum Teil deutlich stärker als zur Nippzeit. Das verändert Kursberechnung, Etmal und die Wahl des Zeitfensters.
  4. Tidenhub: Die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser ist zur Springzeit am größten.
  5. Trockenfallende Bereiche: Zur Springzeit fällt mehr trocken als sonst, und es fällt länger trocken.

Ein Beispiel für die Praxis: Du planst, in einer Bucht zu ankern, und liest in der Karte eine Kartentiefe von 2,8 Metern. Dein Schiff hat 1,7 Meter Tiefgang. Bei Mittzeit bleibt am Niedrigwasser genug Wasser unter dem Kiel. Fällt der Törn aber in die Springzeit, ist das Niedrigwasser tiefer als üblich – der Rechenwert aus der Karte ist dann eine Untergrenze, die tatsächlich unterschritten werden kann. Wer nur mit dem Kartenwert plant, liegt zur Springzeit auf Grund.

Der stärkere Strom ist die zweite Falle. Eine Passage, die bei Nippzeit gegen den Strom noch machbar ist, kann zur Springzeit unmöglich werden – vor allem in Engstellen. Umgekehrt bringt dir mitlaufender Springstrom eine spürbar bessere Etmalleistung, wenn du das Zeitfenster richtig legst.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Bei Springzeit stehen Mond und Sonne in einer Linie mit der Erde.
  • Zur Springzeit sind besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser zu erwarten.
  • Zur Springzeit setzen die Gezeitenströme zum Teil deutlich stärker als zur Nippzeit.
  • Zur Nippzeit gilt das Gegenteil: besonders niedrige Hochwasser und besonders hohe Niedrigwasser.
  • Das Alter der Gezeit gibt an, in welcher Phase – Nippzeit, Mittzeit oder Springzeit – sich das Tidengeschehen befindet.

Typische Fehler

  • Nur an das höhere Hochwasser denken und das tiefere Niedrigwasser übersehen – für Ankerplatz und Untiefen zählt letzteres.
  • Die Stromwirkung vergessen: Springzeit verändert nicht nur die Pegel, sondern auch die Kursberechnung.
  • Spring- und Nippzeit vertauschen. Merkhilfe: In Linie heißt Spring, im rechten Winkel heißt Nipp.
  • Die Gezeitentafel für exakt halten – Wind und sehr hoher oder niedriger Luftdruck verändern Höhen und Eintrittszeiten erheblich.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
NippzeitGegenteil: Sonne und Mond im rechten Winkel, kleinster Tidenhub, schwächere Ströme.
MittzeitDie Phase dazwischen, weder Extremwerte noch besonders ausgeglichen.
SpringverzögerungDer zeitliche Versatz zwischen der Mondstellung und der tatsächlichen Springtide.
TidenhubDie Höhendifferenz selbst – zur Springzeit am größten, zur Nippzeit am kleinsten.

Kurz gemerkt

Spring heißt: alles in einer Linie, alles extremer. Höheres Hoch, tieferes Tief, stärkerer Strom. Für die Tiefenplanung zählt das Niedrigwasser, für die Törnplanung der Strom.

Häufige Fragen

Woher weiß ich, wann Springzeit ist?

Aus den Gezeitentafeln beziehungsweise dem Alter der Gezeit für deinen Bezugsort. Die Mondstellung allein reicht nicht als Anhaltspunkt, weil zwischen ihr und der tatsächlichen Springtide ein zeitlicher Versatz liegt – die Springverzögerung.

Kann ich mich auf die Werte der Gezeitentafel verlassen?

Als Planungsgrundlage ja, als Garantie nein. Durch Wind und sehr hohen oder sehr niedrigen Luftdruck können erhebliche Wasserstandsänderungen entstehen: Die Höhen können abweichen, und auch die Hoch- und Niedrigwasserzeiten können früher oder später eintreten als angegeben.

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