Definition
Der Tidenhub ist der Höhenunterschied zwischen Hochwasser und dem darauf folgenden oder vorangehenden Niedrigwasser. Er gibt also an, um wie viele Meter der Wasserstand innerhalb einer Tide steigt und fällt.
Tidenhub einfach erklärt
Der Wert ist keine feste Größe, sondern ändert sich mit der Tidenphase. Zur Springzeit sind besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser zu erwarten – der Tidenhub ist dann am größten. Zur Nippzeit gilt das Gegenteil: besonders niedrige Hochwasser und besonders hohe Niedrigwasser, also der kleinste Hub.
Dazu kommt die Region. Nordsee und Englischer Kanal haben einen deutlichen Tidenhub, die Ostsee praktisch keinen. Und selbst innerhalb eines Reviers unterscheiden sich die Werte von Ort zu Ort erheblich – deshalb arbeiten Gezeitentafeln mit Bezugsorten. Verlässliche Zahlen bekommst du nur für deinen konkreten Ort aus der Tafel, nicht aus einer Faustregel.
So begegnet dir der Tidenhub an Bord
Am unmittelbarsten am Liegeplatz. Liegst du in Tidegewässern längsseits an einer Pier, gilt:
- Die Wassertiefe muss auch bei Niedrigwasser ausreichen – oder sicheres Aufsetzen muss gewährleistet sein.
- Die Leinen müssen für den Tidenstieg oder -fall ausreichend lang sein.
- Bei größerem Tidenhub darf das Fahrzeug keinesfalls unbeaufsichtigt bleiben.
- Fender auf der richtigen Höhe anbringen und nachsetzen, wenn das Schiff steigt oder fällt.
Der dritte Punkt steht wörtlich im Fragenkatalog und wird von Chartercrews unterschätzt. Eine zu kurz belegte Leine hält das Schiff beim Fallen des Wassers an der Pier fest – im schlimmsten Fall hängt es in den Leinen. Beim Steigen reißt sie oder zieht die Klampe aus dem Deck.
Der zweite Anwendungsfall ist die Tiefenplanung. Es gilt: Kartentiefe plus Höhe der Gezeit ergibt die Wassertiefe. Für einen Ankerplatz rechnest du deshalb mit dem Niedrigwasser, nicht mit dem aktuellen Stand – bei großem Tidenhub ist der Unterschied zwischen beiden erheblich.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Zur Springzeit ist der Tidenhub am größten, zur Nippzeit am kleinsten.
- Am Liegeplatz: ausreichende Wassertiefe bei Niedrigwasser, ausreichend lange Leinen, bei größerem Hub keine unbeaufsichtigte Yacht.
- Kartentiefe plus Höhe der Gezeit ergibt die Wassertiefe.
- Die tatsächlichen Wasserstände können von den Gezeitentafeln abweichen: Wind und sehr hoher oder niedriger Luftdruck verändern Höhen und Eintrittszeiten.
- In der Nordsee und im Englischen Kanal gibt es zeitweise nur ein Hoch- oder Niedrigwasser pro Tag, weil der Mondtag mit 24 Stunden 50 Minuten länger ist als der Sonnentag.
Typische Fehler
- Mit einem mittleren Wert planen, obwohl Spring- und Nippzeit deutlich davon abweichen.
- Leinen zu kurz belegen und das Schiff beim Fallen des Wassers hängen lassen.
- Den Tidenhub eines anderen Bezugsortes übernehmen; die Werte unterscheiden sich örtlich stark.
- Die Gezeitentafel für exakt halten und Wind- sowie Luftdruckeinflüsse weglassen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Höhe der Gezeit (H) | Der Wasserstand über Kartennull zu einem Zeitpunkt – der Tidenhub ist die Differenz zweier solcher Stände. |
| Kartentiefe | Auf Kartennull bezogener Wert aus der Seekarte, unabhängig vom Zeitpunkt. |
| Springzeit und Nippzeit | Die Phasen, die bestimmen, ob der Hub groß oder klein ausfällt. |
| Gezeitenstrom | Die waagerechte Wasserbewegung; der Tidenhub beschreibt die senkrechte. |
Kurz gemerkt
Tidenhub ist die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser: zur Springzeit am größten, zur Nippzeit am kleinsten. Am Liegeplatz zählen lange Leinen, am Ankerplatz das Niedrigwasser.
Häufige Fragen
Wie groß ist der Tidenhub?
Das hängt vollständig vom Ort und von der Tidenphase ab. In der Ostsee ist er praktisch nicht vorhanden, in der Nordsee und im Englischen Kanal deutlich – und selbst dort unterscheiden sich benachbarte Häfen erheblich. Belastbare Werte findest du nur in der Gezeitentafel für deinen Bezugsort.
Warum gibt es manchmal nur ein Hochwasser pro Tag?
Weil der Mondtag länger ist als der Sonnentag: Die Umlaufzeit des Mondes um die Erde dauert im Mittel 24 Stunden 50 Minuten gegenüber 24 Stunden. Dadurch rutscht das letzte Hoch- oder Niedrigwasser zeitweise in den nächsten Tag – etwa bei Bezugsorten in der Nordsee und im Englischen Kanal.
Gilt der Tidenhub aus der Tafel immer?
Nein. Durch Wind oder sehr hohen beziehungsweise sehr niedrigen Luftdruck können erhebliche Wasserstandsänderungen entstehen. Hoch- und Niedrigwasserhöhen können höher oder niedriger ausfallen als angegeben, und die Eintrittszeiten früher oder später liegen.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Worauf müssen Sie achten, wenn Sie in Tidegewässern längsseits einer Pier festgemacht haben?
- Welche Bedeutung hat die Angabe „Springzeit“ für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
- Welche Bedeutung hat die Angabe „Nippzeit“ für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
- In welchem Zusammenhang stehen Kartentiefe (KT), Wassertiefe (WT) und Höhe der Gezeit (H)?
- Weshalb und wie können die tatsächlichen Wasserstände von den Angaben in den Gezeitentafeln erheblich abweichen?
- Warum findet man bei Bezugsorten in der Nordsee bzw. dem Englischen Kanal zeitweise nur ein Hoch- bzw. Niedrigwasser pro Tag?