Definition Mittzeit
Nippzeit bezeichnet die Phase im Tidengeschehen, in der die Verbindungslinien Erde/Sonne und Erde/Mond im rechten Winkel zueinander stehen. Die Anziehungskräfte wirken dann gegeneinander – die Folge sind besonders niedrige Hochwasser, besonders hohe Niedrigwasser und schwächere Gezeitenströme.
Skizze
Wegen der Springverzögerung tritt die Springtide nicht exakt bei Neu- oder Vollmond ein — maßgeblich sind die Gezeitentafeln.

Nippzeit einfach erklärt
Gezeiten entstehen durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne. Entscheidend ist ihre Stellung zueinander. Bei Nippzeit steht der Mond im rechten Winkel zur Verbindungslinie Erde–Sonne, am Himmel siehst du dann einen Halbmond. Beide Kräfte ziehen in verschiedene Richtungen und schwächen sich gegenseitig ab.
Das Gegenstück ist die Springzeit: Dort befinden sich Mond und Sonne in einer Linie mit der Erde, ihre Wirkungen addieren sich. Zwischen beiden Extremen liegt die Mittzeit. Welche Phase gerade herrscht, beschreibt das Alter der Gezeit – es gibt an, ob sich das aktuelle Tidengeschehen in Nippzeit, Mittzeit oder Springzeit befindet.
So begegnet dir die Nippzeit an Bord
Die Nippzeit klingt zunächst nach der harmloseren Variante – weniger Hub, schwächerer Strom. In der Praxis dreht sie die Vorzeichen aber nur um:
- Hochwasser: besonders niedrig. Wer auf viel Wasser über einer Barre oder Schwelle wartet, bekommt weniger als sonst.
- Niedrigwasser: besonders hoch. Für Ankerplatz und Untiefen ist das die gute Nachricht der Nippzeit.
- Tidenhub: am kleinsten. Ein Liegeplatz mit Tidenhub braucht kürzere Leinen als zur Springzeit.
- Gezeitenströme: schwächer als zur Springzeit. Passagen gegen den Strom werden machbarer, mitlaufender Strom bringt weniger.
- Trockenfallende Bereiche: fallen weniger weit und weniger lange trocken.
Ein Beispiel für die Falle: Du willst über eine Barre in einen Hafen, für die du Hochwasser abwarten musst. In der Springzeit reicht das Hochwasser bequem. In der Nippzeit fällt es niedriger aus – möglicherweise so weit, dass die Einfahrt an diesem Tag gar nicht möglich ist. Wer nur mit mittleren Tidenwerten plant, steht dann vor der Barre und wartet auf eine Tide, die nicht kommt.
Umgekehrt ist die Nippzeit ein guter Zeitraum für Reviere mit kräftigen Strömen. Eine Engstelle, die zur Springzeit nur im richtigen Zeitfenster passierbar ist, lässt sich zur Nippzeit entspannter angehen. Für die Törnplanung lohnt es sich deshalb, das Alter der Gezeit vorher anzuschauen – nicht erst am Morgen der Abfahrt.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Bei Nippzeit stehen die Verbindungslinien Erde/Sonne und Erde/Mond im rechten Winkel zueinander.
- Zur Nippzeit sind besonders niedrige Hochwasser und besonders hohe Niedrigwasser zu erwarten.
- Zur Springzeit gilt das Gegenteil: besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser.
- Zur Springzeit setzen die Gezeitenströme zum Teil deutlich stärker als zur Nippzeit.
- Das Alter der Gezeit gibt an, in welcher Phase – Nippzeit, Mittzeit oder Springzeit – sich das Tidengeschehen befindet.
Typische Fehler
- Nippzeit für unkritisch halten – das niedrigere Hochwasser kann eine Hafeneinfahrt verhindern.
- Die Bezeichnungen vertauschen: „niedriges Hochwasser“ und „hohes Niedrigwasser“ klingen widersprüchlich, sind aber genau richtig.
- Mit mittleren Tidenwerten planen, ohne das Alter der Gezeit zu prüfen.
- Die Gezeitentafel für exakt halten – Wind und sehr hoher oder niedriger Luftdruck verändern Höhen und Eintrittszeiten erheblich.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Springzeit | Gegenteil: Sonne und Mond in einer Linie, größter Tidenhub, stärkere Ströme. |
| Mittzeit | Die Phase dazwischen, weder Extremwerte noch besonders ausgeglichen. |
| Springverzögerung | Der zeitliche Versatz zwischen Mondstellung und tatsächlicher Tidenlage. |
| Tidenhub | Die Höhendifferenz selbst – zur Nippzeit am kleinsten. |
Kurz gemerkt
Halbmond heißt Nipp: rechter Winkel, alles ausgeglichener. Niedrigeres Hoch, höheres Tief, schwächerer Strom. Gut für Engstellen, schlecht für Barren.
Häufige Fragen
Warum heißt es „niedriges Hochwasser“?
Weil sich beide Begriffe auf verschiedene Dinge beziehen. Hochwasser bezeichnet den höchsten Stand innerhalb einer Tide, niedrig bezieht sich auf den Vergleich mit anderen Tiden. Zur Nippzeit steigt das Wasser also weniger hoch als sonst – es bleibt aber das Hochwasser dieses Tages.
Woher weiß ich, wann Nippzeit ist?
Aus den Gezeitentafeln beziehungsweise dem Alter der Gezeit für deinen Bezugsort. Der Halbmond am Himmel ist ein Anhaltspunkt, aber kein verlässlicher: Zwischen Mondstellung und tatsächlicher Tidenlage liegt ein zeitlicher Versatz, die Springverzögerung.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Welche Bedeutung hat die Angabe „Nippzeit“ für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
- Wie steht Sonne und Mond winkelmäßig zur Erde bei Springzeit und bei Nippzeit?
- Welche Bedeutung haben die Angaben „Nippzeit“ bzw. „Springzeit“ für die Gezeitenströme?
- Erklären Sie den Begriff „Alter der Gezeit“.
- Welche Bedeutung hat die Angabe „Springzeit“ für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
- Weshalb und wie können die tatsächlichen Wasserstände von den Angaben in den Gezeitentafeln erheblich abweichen?