Die Springverzögerung (auch Springverspätung) beschreibt den zeitlichen Versatz zwischen Vollmond bzw. Neumond und dem tatsächlichen Auftreten des höchsten Tidenhubs (Springhochwasser) an einem bestimmten Ort.
Was bedeutet das konkret?
Astronomisch entsteht die Springzeit bei:
- Neumond
- Vollmond
Zu diesem Zeitpunkt wirken die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond gemeinsam und verstärken sich.
In der Praxis tritt das höchste Hochwasser (Springhochwasser) jedoch nicht genau zu diesem Zeitpunkt auf, sondern zeitlich verzögert.
👉 An der deutschen Nordseeküste liegt diese Verzögerung typischerweise bei
etwa 1 bis 2 Tagen nach Voll- oder Neumond.
Diese Zeitspanne nennt man Springverzögerung.
Ursache der Springverzögerung
Die Verzögerung entsteht durch die großräumige Dynamik der Gezeiten:
- Die Nordsee wird gezeitenmäßig vom Atlantik angeregt
- Das Wasser befindet sich in einem mitschwingenden System
- Große Wassermassen reagieren nicht sofort, sondern zeitverzögert
Das führt dazu, dass sich der maximale Tidenhub erst nach der astronomischen Konstellation vollständig aufbaut.
Springzeit in der Praxis
Nach Definition des BSH gilt:
- Die vier Tage ab Neu- bzw. Vollmond werden als Springzeit bezeichnet
- Das Maximum (Springhochwasser) tritt dabei typischerweise 1–2 Tage später auf
Abgrenzung zur Nippzeit
Etwa 7 Tage nach Neu- oder Vollmond:
- stehen Sonne, Erde und Mond im rechten Winkel
- die Gezeitenkräfte schwächen sich gegenseitig ab
- es entsteht die Nippzeit mit geringem Tidenhub
Auch hier gilt eine vergleichbare zeitliche Einordnung (mehrere Tage Nippzeit).
Bedeutung für die Navigation
Die Springverzögerung ist wichtig, weil:
- der größte Tidenhub nicht direkt bei Voll-/Neumond liegt
- Wassertiefen und Strömungen zeitlich versetzt ihr Maximum erreichen
- sie besonders in Revieren wie der Nordsee entscheidend für die Törnplanung ist
Merksatz
Die Springverzögerung ist die Zeitspanne zwischen Neu- oder Vollmond und dem tatsächlichen Maximum der Springzeit – an der deutschen Nordseeküste etwa 1 bis 2 Tage.