Besteckrechnung berechnet die Schiffsposition aus Kurs, Fahrt und Zeit ohne Fix. An Bord ergänzt sie die Navigation bei Nebel, Strom oder Ausfall von GPS.
Bedeutung in der Navigation
Als Besteck wird die rechnerisch fortgeschriebene Position bezeichnet, die aus der letzten bekannten Position (Ausgangsort) abgeleitet wird. Die Besteckrechnung ist damit ein Kernverfahren der terrestrischen Navigation, um zwischen zwei sicheren Ortsbestimmungen (z. B. Peilung, Kreuzpeilung, GPS-Fix) eine fortlaufende Positionsschätzung zu führen.
Das Ergebnis ist keine gemessene, sondern eine geschätzte Position. Je länger ohne Fix gefahren wird, desto größer kann die Abweichung werden.
Eingangsgrößen und Begriffe
Erforderliche Daten
Für eine Besteckrechnung werden Kurs, Fahrt und Zeit benötigt, ausgehend von einem Ausgangsort mit Datum und Uhrzeit. In der Praxis stammen die Werte aus Kompass/Steuerkurs, Logge (Fahrt durchs Wasser) und Bordzeit, ergänzt um Korrekturen wie Missweisung, Deviation und Abdrift.
Wichtige Unterscheidungen
Ohne Berücksichtigung von Strom ergibt sich der Koppelort (DR-Position). Wird anschließend eine Stromversetzung (Richtung und Geschwindigkeit des Stroms) aufgetragen oder gerechnet, entsteht der versetzte Ort (geschätzte Position über Grund).
Rechenweg und Umsetzung in der Seekarte
Schrittfolge an Bord
Typisch wird in festen Intervallen (z. B. alle 30 oder 60 Minuten) fortgeschrieben. Zunächst wird der gesteuerte Kurs in einen rechtweisenden Kurs überführt, indem Missweisung und Deviation berücksichtigt werden; danach wird je nach Situation eine Abdriftkorrektur angesetzt, um den Kurs durchs Wasser zu erhalten.
Die in der Zeit zurückgelegte Strecke ergibt sich aus Fahrt mal Zeit: Strecke [sm] = Fahrt [kn] × Zeit [h]. Diese Strecke wird in der Seekarte vom Ausgangsort entlang des Kurses durchs Wasser abgetragen; der Endpunkt ist der Koppelort.
Kurzes Zahlenbeispiel
Ausgangsort 12:00 Uhr. Fahrt durchs Wasser 5 kn, Zeit bis 13:00 Uhr eine Stunde, Kurs durchs Wasser 090°. Zurückgelegte Strecke 5 sm, in der Karte 5 sm nach Osten abtragen: Koppelort 13:00 Uhr.
Einfluss von Strom und Wind
Strom (Versetzung)
Strom verändert die Fahrt und den Kurs über Grund. Ist Stromrichtung und -geschwindigkeit bekannt oder geschätzt, wird ab dem Koppelort eine Stromversetzung als Vektor aufgetragen. Der Endpunkt ist der versetzte Ort, der der tatsächlichen Position häufig näher kommt als der Koppelort.
Wind und Abdrift
Winddruck auf Rumpf und Aufbauten kann zu Abdrift führen. Die Abdrift wird als Winkelkorrektur zwischen gesteuertem Kurs und Kurs durchs Wasser behandelt und ist besonders bei langsamer Fahrt, viel Wind oder hohem Freibord relevant.
Genauigkeit, Grenzen und typische Fehler
Warum das Besteck „wandert“
Jede Unsicherheit in Kurs, Fahrt, Abdrift, Stromannahmen und Zeit addiert sich. Deshalb sollte die Besteckrechnung regelmäßig durch einen Fix kontrolliert werden, etwa durch Peilungen, Landmarken, Tiefenvergleich oder Radar.
Häufige Fehlerquellen in der Praxis
- Verwechslung von Fahrt durchs Wasser (Logge) und Fahrt über Grund (GPS).
- Unsaubere Zeitführung oder falsche Zeiteinheiten bei der Streckenrechnung.
- Fehler bei Missweisung/Deviation und damit falscher rechtweisender Kurs.
- Stromversetzung in falscher Richtung (Strom setzt dahin, wohin er fließt).
- Zu seltene Fixe, sodass sich kleine Fehler stark auswirken.
Prüfungsrelevanz für den SKS
In der SKS-Schein Theorie wird erwartet, dass eine Besteckrechnung sicher durchgeführt und in der Seekarte sauber eingetragen werden kann, inklusive Kursumrechnung, Streckenberechnung und nachvollziehbarer Zeit-/Positionsangaben. Häufig wird außerdem die Stromversetzung gefordert, um vom Koppelort zum versetzten Ort zu gelangen oder umgekehrt einen Kurs zum Steuern zu bestimmen.
Verwandte Begriffe
Koppelort, versetzter Ort, Stromdreieck, Missweisung, Deviation, Abdrift, rechtweisender Kurs, Fahrt durchs Wasser, Fahrt über Grund.