Segel-Lexikon: nautische Fachbegriffe von A bis Z

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Legerwall

Definition

Legerwall bezeichnet die Lage, in der eine Küste oder ein anderes Hindernis in Lee des Schiffes liegt, der Wind das Fahrzeug also darauf zutreibt. Gleichbedeutend spricht man von einer Leeküste.

Legerwall einfach erklärt

Der Begriff geht auf das niederländische „lager wal“ für das leewärtige Ufer zurück. Entscheidend ist die Blickrichtung: Ob eine Küste Legerwall ist, hängt nicht von ihrer Himmelsrichtung ab, sondern davon, wo dein Schiff steht. Dieselbe Küste ist für ein Schiff auf der anderen Seite ein schützendes Ufer in Luv.

Gefährlich wird die Lage, weil alle Kräfte in dieselbe Richtung wirken. Wind und Seegang setzen dich auf die Küste zu, dazu kommt die Abdrift. Gleichzeitig wird der Seegang zum Land hin schlechter: Bei auflandigem Wind ist er küstennah ähnlich ausgeprägt wie auf freier See, weil genügend Fetch – also Windwirklänge – vorhanden ist. Wo das Wasser flacher wird oder Untiefen liegen, musst du zusätzlich mit Brechern und Grundseen rechnen. Bei ablandigem Wind ist es umgekehrt: Der Fetch ist kurz, der Seegang bleibt niedriger.

So begegnet dir Legerwall an Bord

Du segelst bei zunehmendem Westwind eine Küste ab, die westlich von dir liegt – also in Lee. So arbeitest du dich aus der Lage heraus:

  1. Früh entscheiden. Je näher du der Küste kommst, desto weniger Optionen bleiben – und desto schlechter wird der Seegang.
  2. Seeraum gewinnen, solange das Schiff Höhe läuft. Rechtzeitiges Reffen hilft, weil eine übertakelte Yacht mehr abdriftet.
  3. Prüfen, ob du dich freikreuzen kannst. Rechne dabei ehrlich mit Abdrift und Stromversetzung, nicht mit dem Kompasskurs.
  4. Maschine als Reserve einplanen, aber nicht als Garantie – im Seegang leistet sie weniger.
  5. Nothafen kritisch beurteilen. Bei auflandigem Starkwind kann gerade die Einfahrt zur größten Gefahr werden.

Den letzten Punkt unterschätzen Crews am ehesten: Das Anlaufen eines Hafens bei auflandigem Starkwind ist gefährlich wegen Grundseen und Kreuzseen, dazu kommt möglicher Querstrom in der Einfahrt. Der rettende Hafen kann die eigentliche Falle sein.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Eine Leeküste ist bei schwerem Wetter gefährlich, weil Strandung droht, wenn die Yacht sich nicht freikreuzen kann.
  • Bei auflandigem Wind entspricht der küstennahe Seegang wegen des ausreichenden Fetch dem der freien See.
  • In flacherem Wasser und an Untiefen ist mit Brechern und Grundseen zu rechnen.
  • Das Anlaufen eines Hafens bei auflandigem Starkwind gefährdet durch Grundseen, Kreuzseen und möglichen Querstrom.
  • Im freien Seeraum bleibt das Abwettern – Beiliegen, Lenzen vor Topp und Takel mit Leinen achteraus, Liegen vor Treibanker oder Segeln unter Sturmbesegelung.

Typische Fehler

  • Zu spät reagieren – mit dem Abstand zur Küste schrumpft der Handlungsspielraum.
  • Die eigene Höhe am Wind überschätzen und Abdrift sowie Strom in der Rechnung weglassen.
  • Zu spät reffen – zu viel Tuch bringt mehr Krängung und damit mehr Abdrift statt mehr Höhe.
  • Den nächsten Hafen für sicher halten, ohne die Einfahrt bei auflandigem Wetter zu beurteilen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
LeeküsteGleichbedeutend – Legerwall ist der ältere, seemännische Ausdruck.
LeeBezeichnet nur die windabgewandte Seite, ohne die Gefahrenlage.
Auflandiger WindBeschreibt die Windrichtung; Legerwall deine Lage dazu.
AbdriftDie Versetzung durch Wind – eine der Ursachen, nicht die Lage selbst.

Kurz gemerkt

Legerwall heißt: Land in Lee, Wind von See. Seeraum ist die einzige Währung, die dort zählt – und du kannst ihn nur früh gewinnen, nie spät. Wer sich nicht freikreuzen kann, strandet.

Häufige Fragen

Warum ist ablandiger Wind an derselben Küste harmloser?

Weil der Fetch fehlt. Direkt unter Land hat der Wind noch keine Strecke gehabt, um Seegang aufzubauen, deshalb bleibt er deutlich niedriger als auf freier See. Vorsicht gilt trotzdem an Steilküsten: Bei ablandigem Wind ist örtlich mit umlaufenden Winden und erhöhter Böigkeit durch Fallwinde zu rechnen.

Was, wenn ich mich nicht mehr freikreuzen kann?

Dann bleiben nur schlechte Optionen: Maschine dazunehmen, anderen Schutz ansteuern oder – wenn Seeraum da ist – aufs freie Wasser abfallen und abwettern. Deshalb ist die eigentliche Antwort, früh Seeraum zu gewinnen.

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