Definition
Richtfeuer sind Feuer, die als Unter- und Oberfeuer in Deckpeilung eine Richtlinie bezeichnen – etwa einen Kurs im Fahrwasser, durch eine Hafeneinfahrt oder im freien Seeraum zwischen Untiefen. In der Richtlinie befindest du dich, wenn Unter- und Oberfeuer senkrecht übereinander erscheinen.
Richtfeuer einfach erklärt
Das Prinzip ist die Deckpeilung: Zwei Objekte in unterschiedlicher Entfernung und Höhe stehen aus genau einer Blickrichtung hintereinander. Bewegst du dich seitlich weg, wandern sie auseinander. Du brauchst also weder Kompass noch Rechnung, nur den Blick.
Das hintere Feuer steht dabei höher als das vordere – deshalb Ober- und Unterfeuer. Erscheinen beide senkrecht übereinander, liegst du auf der Linie. Wandert das Oberfeuer nach rechts aus, bist du nach links abgekommen und musst nach rechts korrigieren; wandert es nach links, umgekehrt. Die Faustregel lautet: Steuere in die Richtung, in die das Oberfeuer ausgewandert ist.
So begegnen dir Richtfeuer an Bord
Der klassische Fall ist die Ansteuerung einer engen Hafeneinfahrt bei Dunkelheit:
- In der Seekarte nachschauen, welche Linie gilt und welchen rechtweisenden Kurs sie bezeichnet.
- Beide Feuer identifizieren – Kennung und Farbe stehen in der Karte und im Leuchtfeuerverzeichnis.
- Auf die Linie steuern, bis Unter- und Oberfeuer senkrecht übereinander stehen.
- Laufend nachsteuern: Schon geringe Versetzung lässt die Feuer auseinanderwandern.
- Am Ende der Linie rechtzeitig aussteigen – sie gilt nur für einen Abschnitt.
Der Vorteil zeigt sich beim Querstrom. Steuerst du nur nach Kompass, treibt dich der Strom seitlich aus dem Fahrwasser, ohne dass du es merkst. Auf der Richtfeuerlinie siehst du die Versetzung sofort: Die Feuer wandern auseinander, du korrigierst, bis sie wieder decken.
Bei Tage übernehmen häufig Bauwerke oder Baken dieselbe Funktion – das Prinzip der Deckpeilung bleibt dasselbe.
Richtfeuer in der Seekarte und im Plotter
In der Prüfung arbeitest du mit der amtlichen Seekarte. Dort erscheint die Richtfeuerlinie gestrichelt, mit dem rechtweisenden Kurs und den Kennungen beider Feuer. Diese Darstellung musst du lesen können.
An Bord siehst du dieselbe Information oft anders aufbereitet. Navigations-Apps wie Orca, reduzieren die Darstellung auf das Wesentliche: Linie, Kurs und deine Abweichung davon. Was in der Papierkarte über Symbole und Zahlen erschlossen werden muss, steht dort unmittelbar auf dem Schirm.

Beide Darstellungen haben ihren Platz. Für die Prüfung zählt die Seekarte, weil dort die Symbolik abgefragt wird. An Bord ist die reduzierte Ansicht schneller zu erfassen – gerade nachts, wenn wenig Zeit zum Interpretieren bleibt.
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Richtfeuer bestehen aus Unter- und Oberfeuer und bezeichnen in Deckpeilung eine Richtlinie.
- Sie kennzeichnen einen Kurs im Fahrwasser, durch eine Hafeneinfahrt oder im freien Seeraum zwischen Untiefen.
- In der Richtlinie befindest du dich, wenn Unter- und Oberfeuer senkrecht übereinander erscheinen.
- Leitfeuer sind dagegen Einzelfeuer, die über Sektoren verschiedener Farbe oder Kennung führen.
- Ein Torfeuer besteht aus zwei Feuern gleicher Höhe, Lichtstärke und Kennung, die einander rechtwinklig zur Fahrwasserachse gegenüberliegen.
Typische Fehler
- Richtfeuer und Leitfeuer verwechseln – zwei Feuer in Deckpeilung gegen ein Einzelfeuer mit Sektoren.
- Nur einmal ausrichten und dann nach Kompass weiterfahren; der Strom versetzt dich unbemerkt.
- In die falsche Richtung korrigieren, weil die Denkrichtung nicht sitzt.
- Die Linie über ihren Geltungsbereich hinaus verlängern und in flaches Wasser laufen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Leitfeuer | Einzelfeuer mit farbigen Sektoren oder verschiedenen Kennungen – Leit- und Warnsektoren statt einer Linie. |
| Torfeuer | Zwei Feuer gleicher Höhe rechts und links der Fahrwasserachse, nicht hintereinander. |
| Deckpeilung | Das zugrunde liegende Verfahren; Richtfeuer sind eine feste Einrichtung dafür. |
| Kardinalzeichen | Markieren Gefahren nach Himmelsrichtung, nicht einen Kurs. |
Kurz gemerkt
Zwei Feuer, eine Linie: Stehen Unter- und Oberfeuer senkrecht übereinander, sitzt du richtig. Wandert das Oberfeuer aus, steuerst du ihm hinterher. Ein Feuer mit Sektoren ist dagegen ein Leitfeuer.
Häufige Fragen
Wie genau ist eine Richtfeuerlinie?
Deutlich genauer als eine Kompasspeilung, weil du keine Winkel ablesen, sondern nur zwei Punkte zur Deckung bringen musst. Ablenkung und Missweisung spielen keine Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen Richtfeuer und Leitfeuer?
Ein Richtfeuer besteht aus zwei Feuern, die in Deckpeilung eine Linie ergeben. Ein Leitfeuer ist ein Einzelfeuer mit Sektoren verschiedener Farbe oder Kennung – dort erkennst du an der Farbe, ob du im sicheren Bereich bist.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Was sind Richtfeuer (leading lights)? Wann befindet man sich in einer Richtlinie eines Richtfeuers?
- Was sind Leitfeuer (direction lights)?
- Was ist ein Torfeuer?
- In welchem Quadranten liegt der rote Warnsektor eines Leitfeuers mit der Angabe rot 030° – 042°?
- Wo finden Sie Angaben über die Merkmale der Schifffahrtszeichen?