Die Nippzeit ist der Zeitraum, in dem der Unterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser – der sogenannte Tidenhub – besonders gering ist. In der Gezeitenkunde beschreibt sie die Phase schwacher Tidenströme und kleiner Wasserstandsunterschiede im etwa zweiwöchentlichen Rhythmus von Ebbe und Flut.
Entstehung der Nippzeit
Gezeiten entstehen durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne auf die Erde. Wirken beide Himmelskörper in einer Linie (bei Neu- oder Vollmond), addieren sich ihre Kräfte – es entsteht Springtide mit besonders hohem Tidenhub.
Stehen Sonne und Mond hingegen im rechten Winkel zueinander (bei Halbmond), wirken ihre Kräfte teilweise gegeneinander. Die Folge ist ein verringerter Tidenhub – diese Phase nennt man Nippzeit.
Merkmale der Nippzeit
- Geringer Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser
- Schwächere Tidenströme
- Reduzierte Strömungsgeschwindigkeiten in Seegatten und Fahrwassern
Die Nippzeit tritt etwa sieben Tage nach Springtide ein und dauert mehrere Tage an, bevor sich der Tidenhub wieder vergrößert.
Unterschied zwischen Springzeit und Nippzeit
- Springzeit: Großer Tidenhub, starke Strömungen
- Nippzeit: Kleiner Tidenhub, schwächere Strömungen
Für die Navigation in Gezeitenrevieren – etwa in der Nordsee oder im Ärmelkanal – ist dieser Unterschied von großer Bedeutung.
Bedeutung für die Praxis
Während der Nippzeit sind Strömungen meist schwächer, was Manöver in engen Fahrwassern oder Hafeneinfahrten erleichtern kann. Gleichzeitig fällt das Niedrigwasser weniger stark aus, wodurch Untiefen weniger extrem trockenfallen als bei Springzeit.
Allerdings bedeutet geringerer Tidenhub auch weniger Wasserstandszunahme bei Hochwasser, was in flachen Revieren berücksichtigt werden muss.
Relevanz für die SKS-Prüfung
Im Sportküstenschifferschein (SKS-Schein) gehört die Nippzeit zum Bereich Gezeitenkunde. Prüflinge sollten den Unterschied zwischen Nipp- und Springzeit erklären und die Auswirkungen auf Wasserstand und Strom einschätzen können.
Die Nippzeit ist somit eine regelmäßig wiederkehrende Phase im Gezeitenzyklus mit reduzierter Tidendynamik und entsprechend angepassten Navigationsbedingungen.