Eine Kreuz bezeichnet beim Segeln das systematische Aufkreuzen gegen den Wind in mehreren aufeinanderfolgenden Am-Wind-Schlägen, um ein in Luv liegendes Ziel zu erreichen. In der Praxis an Bord ist die Kreuz ein zentrales Element der Kursplanung und Manöverführung, weil Segelboote nicht direkt gegen den Wind segeln können.
Warum man eine Kreuz segelt
Der Wind kann nicht „direkt von vorn“ abgesegelt werden, weil Segel dabei keinen stabilen Vortrieb erzeugen. Stattdessen segelt das Boot auf einem Am-Wind-Kurs typischerweise in einem Winkel von etwa 30–45° zum scheinbaren Wind. Liegt das Ziel genau in Luv, wird es durch einen Zickzack-Kurs erreicht: Das Boot segelt abwechselnd auf Steuerbordbug und Backbordbug, verbunden durch wiederholte Wenden. Diese gesamte Abfolge heißt Kreuz.
Begriffe innerhalb der Kreuz
Jeder einzelne Abschnitt einer Kreuz wird als Bug oder Schlag bezeichnet. Nach jeder Wende wird der Bug gewechselt. Taktisch unterscheidet man oft zwischen:
- Streckbug: der Schlag, der das Boot geometrisch näher an das Ziel bringt.
- Holebug: der Schlag, der zunächst scheinbar vom Ziel wegführt, um Höhe aufzubauen und die Ausgangsposition zu verbessern.
Worauf es bei einer guten Kreuz ankommt
Eine effiziente Kreuz ist immer ein Kompromiss aus Fahrt (Geschwindigkeit durchs Wasser) und Höhe (Fortschritt nach Luv). Wer zu hoch am Wind segelt, verliert oft Fahrt; wer zu tief segelt, macht zu wenig Höhe. Ziel ist ein stabiler Am-Wind-Kurs mit sauberem Segeltrimm und kontrolliertem Ruderdruck, sodass möglichst wenig Abdrift entsteht.
Einflussfaktoren
Ob eine Kreuz kurz und effizient oder lang und manöverlastig wird, hängt stark von den Bedingungen ab. Typische Einflussfaktoren sind:
- Windstärke und Winddreher
- Welle und Seegang
- Strömung und Stromversatz
- Segeltrimm (Großsegel, Vorsegel, Schotenführung)
- Bootstyp und Höhelaufvermögen (Kiel, Rigg, Segelplan)
Layline: die letzte Wende zur Ansteuerung
Ein Schlüsselbegriff in der Kreuz ist die Layline. Damit ist die gedachte Linie gemeint, von der aus das Ziel (z. B. eine Tonne oder Hafeneinfahrt) ohne weitere Wende direkt angelaufen werden kann. Wer zu früh auf die Layline zielt, riskiert ungünstige Winkel oder Geschwindigkeitsverlust. Wer zu spät wendet, benötigt eine zusätzliche Wende – das kostet Zeit und Fahrt.
Kreuz in der SKS-Praxis
Im Kontext vom SKS-Schein ist die Kreuz besonders relevant bei Ansteuerungen gegen anliegenden Wind, beim Verlassen eines Hafens oder beim Navigieren in engen Revieren. Gute Seemannschaft zeigt sich darin, Wind, Strom und Raumverhältnisse korrekt einzuschätzen, Wenden sauber zu fahren und die Kreuz so zu planen, dass das Ziel mit möglichst wenigen Manövern sicher erreicht wird.