Die SKS-Praxisprüfung ist für viele der aufregendste Teil auf dem Weg zum Sportküstenschifferschein: Nach der Theorie zeigst du auf dem Wasser, dass du eine Yacht wirklich führen kannst. Dieser Artikel fasst zusammen, was der Deutsche Segler-Verband dazu offiziell vorgibt – Pflichtaufgaben, Bewertung, Fristen und Kosten.
Voraussetzung: Die Theorie ist schon bestanden
Die SKS-Prüfung besteht aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung. Die Theorie umfasst einen Fragebogen zu Navigation, Seemannschaft, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde sowie eine mehrteilige Kartenaufgabe. Beide Teile musst du nicht zwingend am selben Tag ablegen – aber die gesamte Prüfung muss innerhalb von 24 Monaten abgeschlossen sein, gerechnet von der ersten bis zur letzten abgelegten Teilprüfung. Läuft diese Frist ab, verfallen bereits bestandene Teile.
Die zwei Pflichtmanöver
Zwei Aufgaben sind in jeder SKS-Praxisprüfung obligatorisch und dürfen nicht zusammengelegt werden:
- Rettungsmanöver unter Segel
- Rettungsmanöver mit Maschinenunterstützung
Beide Manöver müssen gefahren werden, spätestens im zweiten Versuch mit dem Ergebnis „ausreichend“. Das ist der Grund, warum Manöver wie der Nahezu-Aufschießer heute so intensiv trainiert werden: Punktgenau ohne Motorunterstützung an einer Boje zum Stehen zu kommen, ist genau das, was hier verlangt wird.
Manöver mit Antriebsmaschine und unter Segel
Zusätzlich zu den Rettungsmanövern werden folgende Manöver mit Antriebsmaschine und unter Segel geprüft – auch sie mindestens im zweiten Versuch mit „ausreichend“:
- Anlegen mit Antriebsmaschine
- Ablegen mit Antriebsmaschine
- Wenden oder Halsen / Q-Wende
- Beidrehen / Beiliegen
Wird der SKS ausschließlich mit Antriebsmaschine angestrebt, entfallen die Manöver mit Maschinenunterstützung und unter Segel – dann zählt nur die Motorprüfung.
Die „sonstigen Aufgaben“: vier Bereiche, drei müssen bestehen
Neben den Manövern prüft der Prüfungsausschuss vier weitere Bereiche. Für dich zählt: Von diesen vier Aufgaben müssen drei mit „ausreichend“ bewertet werden.
- Seemannschaft/Fertigkeiten: Sicherheitseinweisung, Notrolle, Handhabung von Lifebelt und Lifeline, Anwenden von Leinen beim An- oder Ablegen (Spring, Vor- und Achterleine, Leine auf Slip).
- Wetterkunde: Ablesen der Wetterinstrumente Thermometer und Barometer, Beurteilen der Wetterlage vor Ort und zum Prüfungszeitpunkt.
- Navigation: Bestimmung des Schiffsortes, Absetzen, Bestimmen und Umwandeln von Kursen, Arbeiten mit einem GPS-Empfänger sowie mit Steuerkompass oder Handpeilkompass.
- Motor, elektrische Anlage und Gasanlage: Kontrolle und Bedienung.
Hinzu kommt ein fünfter Bereich, Seemannschaft/Manöver, aus dem höchstens zwei Aufgaben gestellt werden – mindestens eine davon muss bestanden werden:
- Mit Antriebsmaschine: Drehen und/oder Aufstoppen auf engem Raum, Vorbereitung der Yacht für das Ein- und Auslaufen, Ankermanöver.
- Unter Segel: Segelsetzen/Segelbergen in Fahrt, Einreffen und/oder Ausreffen in Fahrt, Aufschießer fahren.
Genau hier wird der Radeffekt praktisch relevant: Er entscheidet mit über das seitliche Anlegen, das kursgerechte Aufstoppen und das Wenden auf engem Raum – drei der am häufigsten geprüften Situationen aus dieser Liste.
Fristen: Was passiert bei Nichtbestehen oder Fernbleiben?
Nicht bestandene Prüfungsteile darfst du frühestens nach vier Wochen wiederholen. Erscheinst du nicht zu einem geladenen Prüfungstermin, wird eine Nichterscheinensgebühr fällig – in Höhe der beantragten Leistung, maximal 25 Euro. Die genaue Höhe legt der jeweilige Prüfungsausschuss fest.
Was kostet die Praxisprüfung?
Die Gesamtprüfung (Zulassung, Theorie, Praxis, Erteilung des Führerscheins) kostet nach aktuellem Stand des DSV 244,58 Euro inklusive Mehrwertsteuer, davon entfallen 113,42 Euro allein auf die Praxisprüfung. Eine Wiederholung der Theorie kostet 53,45 Euro. Reisekosten der Prüfungskommission bei Auslandsprüfungen sind darin nicht enthalten und werden gesondert erhoben.
Diese Beträge stammen vom Deutschen Segler-Verband und können sich ändern – die aktuelle Gebührentabelle findest du auf sportbootfuehrerscheine.org.
So bereitest du dich vor
Zwei Dinge helfen erfahrungsgemäß am meisten: Manöver auf einem Schiff üben, das du gut kennst – oder, falls das nicht möglich ist, dich auf einer unbekannten Yacht zu Reisebeginn systematisch mit ihren Segeleigenschaften vertraut machen. Und: die Wirkrichtung des Radeffekts vorher kennen, statt sie im ersten Manöver der Prüfung herauszufinden.
Für die Theorie dahinter – etwa warum ein Nahezu-Aufschießer heute oft dem klassischen Aufschießer vorgezogen wird, oder wie du deinen eigenen Anhalteweg bestimmst – lohnt sich ein Blick ins Segellexikon.
Buchempfehlung zur Praxisvorbereitung
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Wer die Manöver nicht nur lesen, sondern vorab durchdenken will, findet in gängigen SKS-Praxisratgebern Schritt-für-Schritt-Abbildungen der Pflichtmanöver – vom Rettungsmanöver bis zum Ankermanöver. Hier geht’s zu unserer Buchempfehlung für die SKS-Praxisprüfung.
Häufige Fragen
Muss ich alle vier „sonstigen Aufgaben“ bestehen?
Nein. Von den vier Bereichen Seemannschaft/Fertigkeiten, Wetterkunde, Navigation sowie Motor/Elektrik/Gas müssen drei mit „ausreichend“ bewertet werden – einer darf durchfallen, ohne dass die Praxisprüfung insgesamt nicht besteht.
Was passiert, wenn ich ein Pflichtmanöver im ersten Versuch nicht schaffe?
Du bekommst einen zweiten Versuch innerhalb derselben Prüfung. Erst wenn auch dieser nicht mit „ausreichend“ bewertet wird, gilt die Aufgabe als nicht bestanden. Eine Wiederholung des gesamten nicht bestandenen Prüfungsteils ist frühestens nach vier Wochen möglich.
Werden Rettungsmanöver unter Segel und mit Maschine getrennt geprüft?
Ja, ausdrücklich. Beide Rettungsmanöver – unter Segel und mit Maschinenunterstützung – müssen einzeln gefahren werden und dürfen laut DSV-Vorgabe nicht zu einem Manöver zusammengefasst werden.
Quelle: Deutscher Segler-Verband, sportbootfuehrerscheine.org, Stand der zitierten Angaben: August 2023. Für die aktuell gültigen Gebühren und Anforderungen ist die dortige Seite maßgeblich.