Landwind ist ein thermisch bedingter Wind, der vom Land in Richtung Meer weht und meist nachts oder in den frühen Morgenstunden auftritt. Für die Praxis an Bord ist er besonders in Küstennähe relevant, da er Einfluss auf Ankerwachen, Ablegemanöver und die nächtliche Windentwicklung hat.
Wie entsteht Landwind?
Land und Wasser erwärmen und kühlen sich unterschiedlich schnell ab. Tagsüber speichert das Land mehr Wärme als das Wasser. Nach Sonnenuntergang kühlt das Land jedoch schneller aus als die Meeresoberfläche. Die darüberliegende Luft wird ebenfalls kühler, dichter und sinkt ab. Dadurch entsteht ein leichter Überdruck über dem Land, der Luft in Richtung des relativ wärmeren Meeres strömen lässt – der Landwind entsteht.
Typischer Tagesgang
Landwind ist Teil eines thermischen Windsystems, das im Tagesverlauf wechselt:
- Tagsüber: Seewind (vom Meer zum Land)
- Nachts: Landwind (vom Land zum Meer)
Der Landwind setzt meist in den Abendstunden ein, erreicht in den frühen Morgenstunden seine stärkste Ausprägung und schwächt sich nach Sonnenaufgang wieder ab.
Stärke und Charakter
Landwind ist in der Regel schwächer als Seewind und bewegt sich häufig im Bereich von 1–3 Beaufort. In Regionen mit stark ausgeprägten Temperaturunterschieden oder in Gebieten mit steilen Küsten kann er jedoch deutlich kräftiger ausfallen. Besonders in Buchten oder an Gebirgsküsten kann er kanalisiert und dadurch beschleunigt werden.
Bedeutung für Segler
Für Segler ist der Landwind in mehreren Situationen relevant:
- Ankernächte: Winddreher in den Nachtstunden können die Lage zum Anker verändern.
- Frühes Ablegen: Am Morgen kann Landwind günstige Bedingungen für das Auslaufen bieten.
- Küstennavigation: Abdrift erfolgt nachts häufig seewärts.
Wer abends mit auflandigem Wind ankert, sollte berücksichtigen, dass sich die Windrichtung nachts umkehren kann. Dies kann die Kettenführung verändern oder dazu führen, dass das Boot anders schwojt.
Abgrenzung zum Seewind
Der Landwind ist das nächtliche Gegenstück zum Seewind. Während beim Seewind kühlere Luft vom Wasser an Land strömt, fließt beim Landwind kühlere Luft vom Land zum Meer. Beide Windarten sind lokale, thermisch bedingte Windsysteme und treten vor allem bei stabilen Hochdrucklagen mit geringer großräumiger Windströmung auf.
Relevanz für die SKS-Praxis
Im Rahmen des Sportküstenschifferscheins (SKS-Schein) gehört das Verständnis thermischer Windsysteme zur meteorologischen Grundausbildung. Landwind ist ein typisches Beispiel für lokale Windphänomene, die bei der Törnplanung, Ankerwahl und Einschätzung nächtlicher Wetterentwicklungen berücksichtigt werden müssen.