Gieren bezeichnet die Drehbewegung eines Schiffes um seine Hochachse, bei der der Bug abwechselnd nach Backbord und Steuerbord ausschlägt. In der Praxis tritt Gieren häufig bei achterlichem Seegang, bei unruhigem Wind oder beim Schleppen auf und kann die Kursstabilität deutlich beeinträchtigen.
Bewegungen eines Schiffes
Ein Schiff kann sich in sechs Freiheitsgraden bewegen. Die wichtigsten Drehbewegungen sind:
- Rollen – Drehung um die Längsachse
- Nicken (Stampfen) – Drehung um die Querachse
- Gieren – Drehung um die Hochachse
Gieren betrifft somit die horizontale Richtungsänderung des Schiffes ohne bewusste Steuerbewegung.
Ursachen des Gierens
- Achterlicher oder schräg achterlicher Seegang
- Böiger oder stark drehender Wind
- Unzureichender Segeltrimm
- Zu große Geschwindigkeit bei Wellen
Besonders bei achterlichem Seegang kann das Schiff beginnen, von einer Seite zur anderen auszubrechen, da die Wellen das Heck versetzen.
Gefahren durch starkes Gieren
Unkontrolliertes Gieren kann zu:
- Erhöhtem Ruderdruck
- Geschwindigkeitsverlust
- Unbeabsichtigten Kursabweichungen
- Gefahr des Querschlagens in brechender See
In extremen Fällen kann starkes Gieren bei Grundsee oder hohen achterlichen Wellen gefährlich werden.
Maßnahmen gegen Gieren
- Reduzieren der Fahrt
- Anpassen des Kurses (leicht anluven oder abfallen)
- Segeltrimm optimieren
- Einsatz eines Autopiloten oder Windsteueranlage
Ein stabiler, ausgewogener Segeltrimm reduziert die Neigung zum Gieren erheblich.
Relevanz für die SKS-Praxis
Im Sportküstenschifferschein (SKS) gehört Gieren zum Bereich Seemannschaft und Seegangsverhalten. Prüflinge sollten die Ursachen kennen und geeignete Maßnahmen zur Kursstabilisierung benennen können.
Gieren ist somit die seitliche Richtungsinstabilität eines Schiffes um die Hochachse und ein wichtiges Phänomen im Zusammenspiel von Seegang, Wind und Rumpfform.