Signalflaggen sind farbige, genormte Flaggen zur optischen Kommunikation in der Schifffahrt. Sie dienen dazu, Informationen, Anweisungen, Warnungen oder Identifikationen zwischen Schiffen sowie zwischen Schiff und Land zu übermitteln. Für Schüler des Sportküstenschifferscheins (SKS) gehören Signalflaggen zur grundlegenden Seemannschaft und sind Teil des internationalen Verständnisses von Sicherheit, Ordnung und Kommunikation auf See.
Auch im Zeitalter von UKW-Funk, AIS und Satellitennavigation haben Signalflaggen ihre Bedeutung nicht verloren. Sie sind weltweit standardisiert, unabhängig von Sprache, Technik oder Stromversorgung und funktionieren jederzeit – bei Tag und ausreichender Sicht.
Grundlagen und Zweck der Signalflaggen
Signalflaggen basieren auf dem Internationalen Signalbuch (International Code of Signals, ICS). Jede Flagge hat:
- eine festgelegte Form
- eine definierte Farbkombination
- eine eindeutige Bedeutung
Signalflaggen können einzeln oder in Kombination gesetzt werden. Je nach Anwendung stehen sie für:
- Buchstaben
- Zahlen
- festgelegte Meldungen
- Not- und Sicherheitszeichen
Damit ermöglichen sie eine standardisierte Kommunikation zwischen Seefahrzeugen, unabhängig von Nationalität oder Muttersprache.
Einzelne Signalflaggen und ihre Bedeutung
Jede einzelne Signalflagge entspricht einem Buchstaben des Alphabets und hat zusätzlich eine spezielle nautische Bedeutung. Einige besonders wichtige Flaggen sind:
- Alpha (A): „Taucher im Wasser – Abstand halten und langsam fahren“
- Bravo (B): „Ich lade, lösche oder führe gefährliche Güter“
- Charlie (C): „Ja“ (bejahende Antwort)
- Delta (D): „Ich habe Schwierigkeiten beim Manövrieren“
- Hotel (H): „Ich habe einen Lotsen an Bord“
- Oscar (O): „Mann über Bord“
- Quebec (Q): „Ich bin gesund und bitte um Einklarierung“
- Zulu (Z): „Ich benötige einen Schlepper“
Diese Bedeutungen sind für die SKS-Prüfung besonders relevant und sollten sicher beherrscht werden.
Zahlenwimpel und Zusatzstander
Neben den Buchstabenflaggen gibt es:
- Zahlenwimpel (0–9)
- Antwortstander
- Ergänzungsstander (Substitutes)
Zahlenwimpel werden häufig in Kombination mit Buchstabenflaggen verwendet, etwa zur Positionsangabe, Zeitangabe oder Kennzeichnung. Ergänzungsstander ermöglichen es, Buchstaben mehrfach in einer Signalgruppe zu verwenden.
Setzen und Führen von Signalflaggen
Signalflaggen werden in der Regel:
- am Flaggenfall
- an der Backbord- oder Steuerbord-Saling
- am Großmast
- an der Backstag-Leine
gesetzt. Die Position kann je nach Bedeutung variieren. Wichtig ist, dass die Flaggen:
- gut sichtbar
- nicht verdeckt
- in der korrekten Reihenfolge
geführt werden. Die Reihenfolge von oben nach unten ist entscheidend für die richtige Interpretation.
Bedeutung für Sicherheit und Seemannschaft
Signalflaggen spielen eine wichtige Rolle bei:
- Notfällen
- Manöverproblemen
- Einschränkung der Manövrierfähigkeit
- Taucheinsätzen
- Hafen- und Zollformalitäten
Gerade bei Ausfall des Funkgeräts oder in Situationen mit Sprachbarrieren können Signalflaggen lebenswichtig sein. Sie sind Teil der internationalen Sicherheitskultur auf See und ergänzen andere Systeme wie Funk, Schallsignale und Lichterführung.
Relevanz für den Sportküstenschifferschein
Im Rahmen des SKS müssen angehende Skipper:
- die wichtigsten Signalflaggen erkennen
- ihre Bedeutung erklären können
- typische Einsatzsituationen kennen
Signalflaggen sind Bestandteil der theoretischen Ausbildung und können in Prüfungsfragen auftauchen, insbesondere im Zusammenhang mit Sicherheit, Manövrierfähigkeit, KVR, Notfällen und Seemannschaft.
Für die Praxis bedeutet das:
- Signalflaggen an Bord kennen
- ein vollständiges Signalflaggen-Set mitführen
- wissen, wann Funk und wann optische Signale sinnvoll sind
Signalflaggen im Zusammenspiel mit anderen Signalen
Signalflaggen stehen nicht isoliert, sondern ergänzen:
- Schallsignale (Horn, Glocke)
- Lichtsignale (Positionslichter, Sonderkennzeichen)
- UKW-Funk
- AIS
Ein guter Skipper beherrscht alle Kommunikationsformen und wählt je nach Situation das geeignete Mittel.
Zusammenfassung
Signalflaggen sind ein international genormtes System zur optischen Kommunikation in der Schifffahrt. Sie ermöglichen klare, sprachunabhängige Verständigung und spielen eine wichtige Rolle für Sicherheit, Ordnung und Seemannschaft. Für SKS-Schüler sind sie ein prüfungsrelevantes Thema und ein wesentlicher Bestandteil nautischer Grundkenntnisse. Wer Signalflaggen sicher erkennt und korrekt einsetzt, handelt professionell, vorausschauend und seegerecht – unabhängig von Technik, Revier oder Nationalität.