Definition
Der Seewetterbericht ist die für die Seeschifffahrt bestimmte Wettervorhersage. Er folgt einem festen Aufbau: Hinweise auf Starkwind oder Sturm, Wetterlage, Vorhersagen, Aussichten und Stationsmeldungen.
Seewetterbericht einfach erklärt
Die Reihenfolge ist kein Zufall, sondern Dringlichkeitsordnung. Ganz vorn stehen die Warnungen, weil sie die Entscheidung über Auslaufen oder Bleiben treffen. Danach folgt die Wetterlage als Erklärung, dann die eigentliche Vorhersage, die längerfristigen Aussichten und am Ende die Messwerte einzelner Stationen.
Wo du den Bericht bekommst, steht in amtlichen Veröffentlichungen. Sendezeiten und Frequenzen für Europa findest du im „Handbuch Nautischer Funkdienst“ und im „Jachtfunkdienst“, für Europa und weltweit in der „Admiralty List of Radio Signals“.
So begegnet dir der Seewetterbericht an Bord
Beim Hören zählt weniger das Mitschreiben als das richtige Deuten. Diese Punkte solltest du im Kopf haben:
- Warnstufen: Starkwindwarnung bei 6 bis 7 Beaufort, international near-gale warning. Sturmwarnung ab mindestens 8 Beaufort, gale warning.
- Windrichtung: In Vorhersagen und Aussichten wird die 8-teilige Skala mit 45-Grad-Stufen verwendet, in den Stationsmeldungen die 16-teilige mit 22,5-Grad-Stufen.
- Schwankungsbreite: „Nordwest 6″ heißt bis zu 45 Grad Schwankung um die Hauptwindrichtung – also Westnordwest bis Nordnordwest – und Böen 1 bis 2 Beaufort über dem Mittelwind.
- Zusatz Schauerböen: Böen können den Mittelwind um 2 Beaufort überschreiten, besonders während der Passage und auf der Rückseite von Kaltfronten.
- Seegang: Angegeben wird die kennzeichnende, also charakteristische Wellenhöhe.
Ein Rechenbeispiel: Angesagt sind Nordwest 6 mit Schauerböen. Rechne mit Wind aus Westnordwest bis Nordnordwest und mit Böen bis 8 Beaufort. Aus einer Starkwindwarnung wird in den Böen also Sturmstärke – wer nur den Mittelwert einplant, wird überrascht.
Wichtig ist auch, was der Bericht nicht leisten kann. Lokale Effekte, die das vorherrschende Windfeld stark verändern, lassen sich nur eingeschränkt berücksichtigen – unter anderem die Land-Seewind-Zirkulation sowie Düsen- und Kapeffekte. In engen Sunden und an Landspitzen kann der tatsächliche Wind deshalb deutlich vom vorhergesagten abweichen.
Nütze Links
Den aktuellen Seewetterbericht vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erhälst du auf der Website des dwd.de
https://www.dwd.de/DE/leistungen/seewetternordostsee/seewetternordostsee.html
Beispiel eines Seewetterberichtes

Quelle: dwd.de
Das musst du für die SKS-Prüfung wissen
- Aufbau: Hinweise auf Starkwind oder Sturm, Wetterlage, Vorhersagen, Aussichten, Stationsmeldungen.
- Sendezeiten und Frequenzen: „Handbuch Nautischer Funkdienst“ und „Jachtfunkdienst“ für Europa, „Admiralty List of Radio Signals“ für Europa und weltweit.
- Windrichtung: 8-teilige Skala in Vorhersagen und Aussichten, 16-teilige in den Stationsmeldungen.
- Beim Seegang wird die kennzeichnende Wellenhöhe angegeben.
- Stationsmeldungen gelten nicht für die See: Die Umgebung der Station kann die Windrichtung verfälschen, die Windgeschwindigkeit ist meist reduziert, in Einzelfällen auch erhöht.
Typische Fehler
- Stationsmeldungen als Verhältnisse auf See lesen – sie werden an Land gemessen und sind verfälscht.
- Nur den Mittelwind einplanen und die Böenzuschläge überhören.
- Die beiden Windrichtungsskalen verwechseln und aus einer 45-Grad-Angabe eine Genauigkeit von 22,5 Grad ableiten.
- Auf lokale Effekte in engen Revieren vertrauen, die der Bericht nicht abbilden kann.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Stationsmeldung | Messwert eines festen Punktes am Ende des Berichts – keine Vorhersage. |
| Starkwindwarnung | Ein Bestandteil des Berichts, nicht der Bericht selbst. |
| Nautische Warnnachrichten | Melden Gefahren für die Schifffahrt, nicht das Wetter. |
| Wetterkarte | Zeigt Druckverteilung und Fronten grafisch statt als gesprochenen Text. |
Kurz gemerkt
Fünf Teile in dieser Reihenfolge: Warnungen, Wetterlage, Vorhersagen, Aussichten, Stationsmeldungen. Der Mittelwind ist nicht die Obergrenze – und die Stationsmeldung gilt für Land, nicht für See.
Häufige Fragen
Warum weichen Stationsmeldungen von den Verhältnissen auf See ab?
Weil sie an einem festen Punkt gemessen werden, meist an Land. Durch die Umgebung der Wetterstation kann die Windrichtung verfälscht werden; die Windgeschwindigkeit ist meist reduziert, in Einzelfällen auch erhöht. Als Anhaltspunkt für den Trend sind sie nützlich, als Vorhersage für deine Position nicht.
Was bedeutet „kennzeichnende Wellenhöhe“?
Es ist der Wert, mit dem der Seegang in Seewetterberichten angegeben wird – ein charakteristisches Maß und nicht die größte auftretende Welle. Einzelne Wellen können deutlich höher ausfallen als der genannte Wert.
Wo finde ich Sendezeiten und Frequenzen?
Für Europa im „Handbuch Nautischer Funkdienst“ und im „Jachtfunkdienst“. Für Europa und weltweit in der „Admiralty List of Radio Signals“. Beide sind amtliche Veröffentlichungen und genau die Antwort, die der Fragenkatalog erwartet.
Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog
- Wie ist der Aufbau von Seewetterberichten?
- Welche amtlichen Veröffentlichungen enthalten Sendezeiten und Frequenzen für Seewetterberichte?
- Welche Skala wird für die Angabe der Windrichtung in Seewetterberichten verwendet?
- Welche Wellenhöhe wird bei der Angabe des Seegangs in Seewetterberichten verwendet?
- Sie hören am Ende eines Seewetterberichts die Stationsmeldungen. Was sagen Windrichtung und Windgeschwindigkeit gegenüber den Verhältnissen auf See aus?
- Welche lokalen Effekte, die das vorherrschende Windfeld stark verändern, können in Seewetterberichten nur eingeschränkt berücksichtigt werden?
- Welche Windsituation ist mit der Formulierung „Nordwest 6“ verbunden?
- Wann werden Sturmwarnungen verbreitet? Welche Bezeichnung hat die Sturmwarnung im internationalen Sprachgebrauch?