Segel-Lexikon: nautische Fachbegriffe von A bis Z

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Seenot

Definition

Seenot bezeichnet eine Lage, in der einem Fahrzeug oder den Menschen an Bord unmittelbare Gefahr droht und fremde Hilfe benötigt wird. Für den Skipper folgt daraus eine feste Maßnahmenkette – von der Notmeldung bis zur Vorbereitung des Verlassens.

Seenot einfach erklärt

Nicht jede Panne ist Seenot. Ein gerissenes Fall, ein ausgefallener Motor oder ein manövrierunfähiges Fahrzeug mit Seeraum unter dem Kiel ist ein Problem, das du selbst löst. Seenot beginnt dort, wo du es aus eigener Kraft nicht mehr schaffst und Hilfe von außen brauchst.

Die Grenze ist fließend, und genau darin liegt die Schwierigkeit. Wer zu lange zögert, verliert Zeit, die später fehlt. Die erste Regel des Fragenkatalogs lautet deshalb nicht zufällig: Ruhe bewahren und überlegt handeln. Alles Weitere ist eine Reihenfolge, die man vorher kennen muss – im Ernstfall wird nichts mehr nachgeschlagen.

So begegnet dir Seenot an Bord

Kommt dein Schiff in Seenot, gilt diese Reihenfolge:

  1. Ruhe bewahren und überlegt handeln.
  2. Notmeldung abgeben, gegebenenfalls Radartransponder einschalten.
  3. Rettungsinsel klarmachen.
  4. Rettungsweste und Sicherheitsgurt anlegen.
  5. So lange wie möglich an Bord bleiben.
  6. Wärmende Kleidung anziehen.

Punkt fünf ist der wichtigste und zugleich der, der am schwersten fällt. Ein havariertes Schiff schwimmt fast immer länger, als es aussieht, und ist auf Radar und für Suchflugzeuge deutlich besser zu finden als eine Rettungsinsel. In die Insel steigt man erst, wenn das Schiff tatsächlich untergeht – nicht, wenn es unheimlich wird.

Muss es doch sein, gehören diese Maßnahmen davor: Rettungsweste und Sicherheitsgurt anlegen, wärmende Kleidung anziehen, nach Möglichkeit vorher reichlich warme Flüssigkeit trinken. Und alles mitnehmen, was du später brauchst – Proviant, Wasser, Seenotsignalmittel sowie gegebenenfalls Seenotfunkbake, Radartransponder und UKW-Handsprechfunkgeräte.

Das musst du für die SKS-Prüfung wissen

  • Grundsatz: Ruhe bewahren, Notmeldung abgeben, Rettungsinsel klarmachen, Rettungsweste und Sicherheitsgurt anlegen, so lange wie möglich an Bord bleiben, wärmende Kleidung anziehen.
  • Vor dem Übersteigen in die Rettungsinsel: warme Flüssigkeit trinken und Proviant, Wasser, Signalmittel sowie Funkgeräte mitnehmen.
  • Seenotsignalmittel an Bord: rote Handfackeln, rote Handraketen, orange Rauchfackeln oder Rauchtopf, Signalpistole mit Munition, Seewasserfärber, Signalflaggen N und C, Signallampe, Seenotfunkboje.
  • Zur Sicherheitsausrüstung einer 10-Meter-Yacht zählen unter anderem Lenzpumpen und Pützen, Lecksicherungsmaterial, Feuerlöscher, Handlampen, Funkeinrichtung, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Radarreflektor und Rettungsmittel.
  • Die Einweisung der Besatzung in Rettungsmittel und Signalmittel gehört vor Reiseantritt zu den Pflichten des Schiffsführers.

Typische Fehler

  • Zu früh in die Rettungsinsel übersteigen – das Schiff ist der bessere Aufenthaltsort, solange es schwimmt.
  • Mit der Notmeldung warten, bis es fast zu spät ist. Sie kostet nichts und lässt sich widerrufen.
  • Signalmittel unerreichbar oder abgelaufen an Bord haben; niemand sucht im Ernstfall den Schlüssel zur Backskiste.
  • Die Crew nie eingewiesen haben – im Notfall muss jeder wissen, wo Weste, Insel und Signalmittel liegen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

BegriffUnterschied
ManövrierunfähigkeitBeschreibt nur die fehlende Manövrierfähigkeit; ob daraus Seenot wird, hängt von der Lage ab.
Mensch über BordEigener Notfall mit eigener Maßnahmenkette – kann, muss aber keine Notmeldung auslösen.
SeenotsignalmittelDie Ausrüstung, mit der du auf die Lage aufmerksam machst, nicht die Lage selbst.
SeetüchtigkeitZustand des Schiffes vor der Reise – gute Vorbereitung verhindert Seenot, statt sie zu bewältigen.

Kurz gemerkt

Ruhe, Notmeldung, Insel klar, Weste an – und dann bleiben. Man steigt nach oben in die Rettungsinsel, nicht nach unten: erst wenn das Schiff wirklich sinkt.

Häufige Fragen

Warum soll ich so lange wie möglich an Bord bleiben?

Weil das Schiff Schutz, Ausrüstung und Ortbarkeit bietet. Ein Rumpf ist auf Radar und aus der Luft weit besser zu erkennen als eine kleine Insel im Seegang, und an Bord bist du vor Wind und Wasser besser geschützt. Der Katalog formuliert das ausdrücklich als Grundsatz.

Warum warme Flüssigkeit vor dem Übersteigen?

Weil Auskühlung in der Rettungsinsel das größte Problem ist. Wärmende Kleidung und warme Getränke vorher geben dir einen Vorsprung, den du später nicht mehr aufholen kannst. Beides steht in der Musterantwort ausdrücklich vor dem Übersteigen.

Fragen aus dem SKS-Fragenkatalog

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