SKS Schein Glossar
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Beschickung für Strom

Beschickung für Strom ist die Versetzung von Position oder Kurs um Set und Drift des Stroms. Sie ist Teil der Koppelnavigation und Kursplanung unter Gezeiten für den SKS-Schein.

Begriff und Abgrenzung

Unter Beschickung wird in der terrestrischen Navigation das rechnerische oder zeichnerische Fortführen einer Position verstanden. Die Beschickung für Strom berücksichtigt dabei die Stromversetzung: Richtung und Stärke des Stroms verändern den tatsächlichen Weg über Grund gegenüber dem Weg durchs Wasser.

Abzugrenzen ist dies von der Beschickung für Wind, die sich auf Abdrift durch Leeway bezieht. In der Praxis werden beide Einflüsse nacheinander in der Karte verarbeitet, um vom Koppelort zu einer verlässlichen Besteckposition zu gelangen.

Was wird beschickt: Kurslinie oder Position?

Beschickung einer Position

Wird eine bekannte Ausgangsposition über eine Zeitspanne fortgeführt, entsteht zuerst die Wegstrecke durchs Wasser aus Fahrt durchs Wasser und Zeit. Anschließend wird die Stromversetzung als zusätzlicher Vektor angesetzt; das Ergebnis ist die Position über Grund, meist als Besteckposition bezeichnet.

Beschickung einer Kurslinie

Bei der Kursplanung wird häufig umgekehrt gedacht: Eine gewünschte Kurslinie über Grund soll eingehalten werden, etwa zur sicheren Passage eines Fahrwassers. Dann wird der Stromvektor rechnerisch oder grafisch gegengelegt, um den erforderlichen Steuerkurs und die erwartete Fahrt über Grund zu ermitteln.

Set und Drift als Grundlage

Set ist die Richtung, in die der Strom setzt, angegeben in Grad rechtweisend. Drift ist die Stromgeschwindigkeit in Knoten. Aus Drift und Zeit ergibt sich die Stromversetzung als Strecke in Seemeilen.

Merksatz für die Rechnung: Strecke in Seemeilen ergibt sich aus Geschwindigkeit in Knoten mal Zeit in Stunden. Damit wird aus einem Strom von 1,5 kn über 2 Stunden eine Versetzung von 3 sm in Stromrichtung.

Grafische Konstruktion in der Seekarte

Strombeschickung vom Koppelort zur Besteckposition

Ausgehend vom Koppelort wird zuerst die Stromversetzung eingezeichnet: Richtung nach Set, Länge nach Drift mal Zeit im Maßstab der Karte. Vom Ende dieses Stromvektors wird anschließend der Weg durchs Wasser in Richtung Kurs durchs Wasser und in Länge Fahrt durchs Wasser mal Zeit abgetragen. Die Verbindung von Ausgangspunkt zum Endpunkt beschreibt den Kurs über Grund und die resultierende Position.

Stromdreieck zur Kursplanung

Soll ein Kurs über Grund eingehalten werden, wird das sogenannte Stromdreieck genutzt. Der gewünschte Vektor über Grund und der bekannte Stromvektor werden so kombiniert, dass der fehlende Vektor den Kurs durchs Wasser liefert; daraus folgt der zu steuernde Kurs unter Berücksichtigung von Missweisung, Deviation und gegebenenfalls Windabdrift.

Datenquellen an Bord

Set und Drift stammen typischerweise aus Gezeitenstromatlas, Revierführer oder Stromkarten im Kartenwerk; zeitabhängige Angaben beziehen sich auf Stunden vor oder nach Hochwasser beziehungsweise Niedrigwasser eines Bezugsortes. Zusätzlich kann die Beobachtung an Bord helfen, etwa durch Vergleich von Logge und GPS: Die Differenz zwischen Fahrt durchs Wasser und Fahrt über Grund sowie die Abweichung zwischen Kurs und Track geben Hinweise auf tatsächlichen Strom.

Typische Fehler in der SKS-Praxis

Falsche Zeitbasis

Häufiger Fehler ist die Verwechslung der Bezugszeit, zum Beispiel falscher Bezugsort für Hochwasser oder falsche Stunde im Stromatlas. Dadurch stimmt die angenommene Drift nicht, und die gesamte Beschickung verschiebt sich.

Richtung verwechselt

Set gibt die Richtung an, in die das Wasser fließt, nicht die Richtung, aus der es kommt. In der Karte führt eine um 180 Grad gedrehte Stromrichtung zu groben Navigationsfehlern, besonders in engen Passagen.

Einheiten und Maßstab

Drift ist in Knoten, die Versetzung wird in Seemeilen gezeichnet. Beim Abtragen in der Karte muss der Maßstab passen; eine falsch abgelesene Strecke kann in kurzer Zeit zu gefährlicher Annäherung an Untiefen führen.

Prüfungsrelevanz für SKS-Schein

Die Beschickung für Strom ist klassischer Bestandteil von Kartenaufgaben zur Koppelnavigation: Besteckversetzung, Ermitteln von Kurs über Grund und Fahrt über Grund sowie Bestimmen des notwendigen Steuerkurses. Erwartet wird sauberes Zeichnen, korrekte Beschriftung mit Zeit, Kursen und Geschwindigkeiten sowie eine plausible Kontrolle des Ergebnisses anhand der Situation im Revier.

Sicherheitsbezug

Eine korrekte Strombeschickung unterstützt die sichere Navigation, insbesondere bei Querung von Verkehrstrennungsgebieten, Ansteuerung von Fahrwassern, Annäherung an Untiefen und bei Nacht oder schlechter Sicht. Sie hilft zudem bei der Entscheidung, ob ein Wegpunkt mit ausreichendem Abstand passiert wird oder ob eine Alternativroute erforderlich ist.

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